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Pressemitteilung Spielzeit 14/15

Dämonische Psychologie, riskante Traumforschung, kosmischer Schwindel und globaler Identitätstausch – die neuen Fitz-Inszenierungen des kommenden Herbstes erkunden die ungewissen Landschaften des menschlichen Bewusstseins. Mit Puppen, Hightech und Imagination, als Soloproduktion oder im Großensemble gewinnt Gestalt, was den Menschen ausmacht und ihm keineswegs immer lieb ist. Fünf Premieren erwarten das Publikum bis zum Jahreswechsel, neue Themenreihen schaffen Orientierungspunkte im Programm, und das Nachwuchslabel „Newz“ präsentiert die interessantesten Produktionen junger Künstler.

Fitz für Erwachsene

Eröffnet wird die Spielzeit am 27. September mit »Puppen sterben besser«, einer ebenso klugen wie amüsanten Lecture Performance zu den Möglichkeiten und Unmöglichkeiten des Figurentheaters. Florian Feisel, Regisseur, Figurenspieler und seit 2012 Professor an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, beantwortet wesentliche Fragen des Genres: Warum haben Puppen keine Depressionen? Warum frisst das Krokodil Gummipuppen? Wieso ist der Kasper unsterblich? Und was haben wir damit zu tun?

Die Themenreihe »Nachtgestalten« beginnt am 9. Oktober. Im Zentrum der Inszenierung »Der Dämon – Eine Mutmaßung über das selbstbestimmte Leben« des Wiener Philosophen, Figurenspielers, Bildenden Künstlers und Regisseurs Christoph Bochdansky steht die Frage: Wer ist eigentlich »Ich«, und ist es wirklich Herr im Haus? Mit seinen amorphen Fantasiefiguren und seinem entgrenzt-schrägen Humor hat Bochdansky einen Kultstatus in der Figurentheaterszene. Regie führte der Schweizer Theatermacher Peter Rinderknecht.

Vier Wochen später, am 6. November, präsentiert die Stuttgarter Formation Meinhardt, Krauss & Feigl mit »Und plötzlich stand die Sonne still« das Auftaktstück einer Serie von Inszenierungen, die sich mit den »großen Kränkungen der Menschheit« nach Sigmund Freud beschäftigen. Das Ensemble folgt hierbei in seiner unverwechselbaren Kombination aus Poesie, Choreographie und hochmoderner Technik der Entwicklung des Menschen auf seinem Weg vom gottgleichen Mittelpunkt der Schöpfung zum seiner selbst ungewissen Spielball des Unbewussten. Jede Etappe wird wissenschaftlich begleitet von Koryphäen unterschiedlicher Fachbereiche. Für die aktuelle Produktion wurde Prof. Hans-Ulrich Keller, Astronom und Gründungsdirektor des Carl-Zeiss Planetariums Stuttgart gewonnen.

Der zweite Beitrag der »Nachtgestalten«, die genreübergreifende deutsch-polnische Koproduktion »Faza REM Phase« kreist um das Träumen, jenen Zustand also, der sich ebenso durch Passivität wie durch Kreativität auszeichnet. Im Zentrum dieser »theatralen Traumfeldforschung« unter der Regie von Michael Vogel steht der Versuch, innerhalb des siebenköpfigen Ensembles immer aufs Neue das feine Gleichgewicht zwischen Eigenem und Gemeinsamen, Kontrolle und Hingabe zu finden. Nach dem Erfolgsstück Krabat ist »Faza REM Phase« eine weitere Zusammenarbeit des Figurentheaters Wilde & Vogel mit der polnischen Grupa Coincidentia, erweitert um zwei junge Spieler des Teatr Lalek Białystok, die beiden Absolventen des Studiengangs Figurentheater Stuttgart Lehmann & Wenzel und den Zeichner und Grafiker Robert Voss. »Faza REM Phase« steht am 23. Oktober zum ersten Mal auf dem Spielplan.

Die letzte Premiere des Herbstprogramms, ein Beitrag der Themenreihe »Ladies Nights«, entsteht als Ergebnis eines internationalen 10-tägigen Theaterlaboratoriums. Im Rahmen des Projektes treffen sich neun Frauen verschiedenen Alters aus Afrika, Asien und Europa. Alle Beteiligten eint der Wunsch die Formen und Mechanismen von Manipulation, Unterdrückung und Ausbeutung zu entlarven und für die Mündigkeit und Selbstbestimmung, für die Würde eines jeden Menschen zu kämpfen. Im Vorfeld der »Night of delight«, zu der das Fitz ab dem 18. Dezember einlädt, werden Identitäten versuchsweise getauscht, fremde Bildsprachen übernommen, künstlerische Codes erlernt und Denkweisen adaptiert. Was schließlich im Fitz zu erleben sein wird – Polyphonie der Geschichten, Podiumsdiskussion oder Kochshow – ist dem Arbeitsprozess überlassen. Dem Projekt liegt eine über fünfzehnjährige Zusammenarbeit von GÜTESIEGEL KULTUR* mit der Cultural Action Group Tehrik – e – Nizwan in Karachi Pakistan und eine fast zehnjährige Zusammenarbeit mit dem Kulturzentrum Espace Masolo in Kinshasa zu Grunde. Konzeptionell verantwortlich sind die Stuttgarter Performerin Stefanie Oberhoff und pakistanischen Künstlerinnen Asma Mundrawala und Huma Mulji.

Fitz für Kinder

Mit 71 Vorstellungen bietet der Fitz-Herbst ein reichhaltiges Angebot für Kinder unterschiedlicher Altersgruppen, darunter wieder drei Inszenierungen für Kinder ab zwei Jahren. Das Fitz entwickelt als erstes Stuttgarter Theater seit über 10 Jahren gemeinsam mit Berliner und Stuttgarter Ensembles eine für diese Zielgruppe geeignete sinnlich-assoziative Theatersprache.

Erstmalig in Stuttgart zu sehen ist am 8. November die Inszenierung der Freiburger Formation Metz & Valk für Kinder ab sieben Jahren und Erwachsene. »Sadako« erzählt die authentische Geschichte des gleichnamigen japanischen Mädchens, das infolge des Atombombenabwurfs in Hiroshima an Leukämie erkrankte. Ihre Hoffnung wird durch eine alte Legende geweckt, nach der derjenige, der 1.000 Origami-Kraniche falte, von den Göttern einen Wunsch erfüllt bekäme. Sadako macht sich ans Werk. 664 Kraniche hat sie beisammen, als die Papiervögel eines Nachts beschließen, wie alle Kraniche der Welt, in den Süden zu ziehen. Den Spielerinnen gelingt das seltene Kunststück, dem ernsten Thema »Tod« eine magische Leichtigkeit zu verleihen. Unter der Regie von Andreas Becker ist eine Bildsprache entstanden, die nicht verleugnet und dennoch mit dem Leben, wie es nun einmal ist, versöhnt.

An die gleiche Zielgruppe gerichtet, lädt das Fitz ab dem 13. Dezember zu einem Wiedersehen mit einem der absoluten Publikumslieblinge der Imaginale 2014. Präzise austariert zwischen straffer Erzählkunst und überschäumender Spiellust erzählt »Mutige Prinzessin Glücklos« davon, dass ein Weg zum glücklichen Leben immer auch der rechte Umgang mit dem Unglück sei. »Mutige Prinzessin Glücklos« wurde 2012 für den renommierten Kinder- und Jugendtheaterpreis IKARUS nominiert.

Rückblick und Ausblick

Dank einer durchschnittlichen Auslastung von 72 Prozent bei 269 Vorstellungen und dem fast restlos ausverkauften Internationalen Festival des Figurentheaters Imaginale 14 schaut das Fitz auf eine erfolgreiche Spielzeit 13/14 zurück. Auch personell geht es voran. Nachdem 2012 mit einer Etataufstockung der Technikstab an die Erfordernisse des umfangreichen Spielbetriebs angepasst werden konnte, hat der Stuttgarter Gemeinderat 2014 der Einrichtung einer halben Stelle im Bereich Kunstvermittlung zugestimmt.