Springe zur Navigation

Möglichkeit Mensch*

PRESSEMITTEILUNG HERBST SPIELZEIT 16-17 Was ist ein Mensch? Lernfähige Maschinen, menschenähnliche Roboter und digitale Selbstoptimierung werfen diese Frage mit nie gekannter Dringlichkeit auf. In sehr viel konkreterer, 'analogerer' Weise führen die globalen sozialen Verwerfungen und die Verrohung des politischen und sozialen Diskurses zum gleichen Punkt: Was ist Menschlichkeit?

  • Realität3

    Foto: Antje Töpfer

  • Lumpenpack Ensemble1
  • Krabat Raubenheimer M Text
  • Wind Weiden 3

    Foto: Maik Evers

  • Steve2

Dass sich ausgerechnet Figurentheater – und zwar aus beiden Perspektiven – dieser Frage annimmt, ist nur scheinbar paradox. Seit jeher ist es das gekonnte Spiel mit dem Abbild, sei es digital oder analog, verzerrt oder naturalistisch, mit dem das Figurentheater seine Spiegel aufstellt. Die neuen Produktionen der freien Theaterensembles stehen nicht vollständig, aber auffällig häufig im Licht dieser Suche danach, was am und dem Menschen möglich sei.

14 Premieren, darunter 8 Uraufführungen stehen in der kommenden Saison im FITZ! Zentrum für Figurentheater auf dem Programm. Eröffnet wird die Spielzeit am 22. September.

Abendprogramm

Die natürliche Welt ist zum gestaltbaren Objekt unserer technisierten Gegenwart geworden. Von uns selbst bevollmächtigt, übernehmen künstliche Systeme die Kontrolle unserer Lebensprozesse. Mit Unruhe und Stolz sieht der fehlbare Mensch ihrem Siegeszug zu. Mit der multimedialen Theaterperformance »Die zweite Realität« präsentieren Meinhardt Krauss Feigl, die Stuttgarter Spezialisten für Theater & Medien, den letzten Teil ihrer Tetralogie zu den großen Kränkungen der Menschheit. In „Die zweite Realität“ kommt ein bahnbrechendes Video- und Soundtrackingsystem zum Einsatz, in dem Bilder und Ton durch das Verhalten der Akteure generiert werden. Wird der Mensch hier der Technik Herr? Kann er sich aus der Rolle des Ausführenden befreien? (Premiere: 22. September).

Seit fast drei Jahrzehnten widmet sich das international gefeierte Ensemble Materialtheater der theatralen Umsetzung aktueller gesellschaftspolitischer Themen wie kapitalistischer Ausbeutung, Emanzipation, gesellschaftliche Ungleichheit, Medienmanipulation. Im Mittelpunkt der Inszenierung „Der Friedhof oder das Lumpenpack von San Cristobàl“ steht die Frage: Was wird unsere Zukunft prägen – das Prinzip der Solidarität oder das Gesetz des Stärkeren? In einer vielseitigen Mischung aus Erzählung, Schauspiel und Puppentheater wird die Welt des Friedhofs als Parabel auf den Grenzgang zwischen Eigen- und Gemeinschaftssinn auf eindringliche Weise lebendig. Premiere ist am 20. Oktober. „Der Friedhof“ ist der erste Beitrag einer vierteiligen Reihe „Heimweh nach der Zukunft“. Als zweiter Beitrag der Reihe folgt „Kino im Kopf“, eine lange Nacht der Geschichten, zu der das mit zahlreichen internationalen Gästen verstärkte Ensemble am 16. Dezember 2016 einlädt.

Eine Kostbarkeit des Genres ist die Produktion des Großmeisters des Figurentheaters, des Tübinger Regisseurs, Ausstatters und Puppenspielers Frank Soehnle mit dem schwedischen Kontrabassisten Jesper Ulfenstedt, die am am 10. und 11. Dezember zu sehen ist. „Nachtkonzert – Le Grand Pas de deux“ lebt aus der Interaktion zweier Vollblutkünstler – ein theatrales Gespräch zwischen Instrument und Figur und zwischen Bewegung und Musik. Der Bogen der Kompositionen spannt sich von Barock über Atonalität bis hin zum Jazz.

Neben Uraufführungen und Premieren lädt das FITZ dazu ein, die interessantesten und beliebtesten Inszenierungen der letzten Spielzeiten zu genießen: z.B. „Frauen lügen aus ihrem Leben“, die meist gespielte Produktion der letzten zwei Jahre, oder die Boris-Vian-Adaption „Der Schaum der Tage“. Als Dernièren zeigen wir die fulminante Edda-Umsetzung „Odin“ mit dem Live-Geräuschemacher Max Bauer und die Gewinnerproduktion des Stuttgarter Theaterpreises 2015 „Lichtung“.

Nachwuchsproduktionen, offene Formate

Das FITZ setzt auch in der anstehenden Spielzeit die Zusammenarbeit mit dem Studiengang Figurentheater der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst fort. Den Auftakt bildet die Präsentation dreier Bachelorarbeiten vom 26. – 28. September im Rahmen des FITZ-Nachwuchslabels NEWZ.

Fortgesetzt und weiterentwickelt wird die Linie der offenen Formate: Mehrere Try-outs erlauben den Zuschauern, die Genese eines Stückes mitzuerleben und mitzugestalten, Open stage Formate laden ein, über theatrale Versuche in Austausch zu kommen, und Stefanie Oberhoffs „Gräfin“, der Shootingstar der letzten Saison, wird auch in der folgenden Spielzeit respektvoll plaudernd und singend die Gefilde von Schönheit, Tod, Sex, Dichtung, Politik und Wirtschaft durchstreifen.

Stuttgarter Filmwinter im FITZ
Vom 18. bis 22. Januar 2017 ist mit dem 300. Stuttgarter Filmwinter das bedeutendste süddeutsche Festival für Experimentalfilm unter anderem im FITZ zu Gast. Das FITZ ist mit zwei Inszenierungen vertreten, die die genrehafte Nähe von Figurentheater und Film besonders deutlich machen.

Kinderprogramm

„Das Versteck“, eine Inszenierung des Berliner Figurentheater Miamou für Kinder ab 5 Jahren, ist inspiriert durch das Grimmsche Märchen „Das Meerhäschen“. Mirjam Hesse, Absolventin des Stuttgarter Studiengangs Figurentheater erzählt mit Ruhe und physischer Präsenz vom Wagnis, Nähe zuzulassen. Und dabei wird klar, dass es manchmal gerade das Allernächste ist, das wir nicht bemerken. Premiere ist am 2. Dezember.

Eine gute Woche später am 10. Dezember steht mit „Der Wind in den Weiden“ ein Klassiker der Kinderliteratur als vor- und nachweihnachtliches Familienstück für alle ab 8 Jahren dem Programm. Mit großer Neugier und einer gehörigen Portion Übermut erwecken die drei Spielerinnen vom Figurenkombinat Kenneth Grahames Kinderbuchklassiker zum Leben. Dabei wird gesungen, getanzt, wild vor sich hingereimt und eine Geschichte über skurrile Freunde, Abenteuerlust und den Wert des eigenen Zuhauses erzählt.

Ausstellungen

Ab dem 7. Oktober zeigen wir für 4 Wochen den durch die gleichnamige FITZ-Inszenierung inspirierten Collagenzyklus „Krabat“ des Stuttgarter Grafik-Designers Martin Raubenheimer. Vom 15. November bis 25. Februar 2017 präsentieren wir unter dem Titel „Von Flaneuren, dicken Damen und sonstigen Helden“ Ausschnitte des zeichnerischen Werks der Stuttgarter Videokünstlerin Anja Abele. Am 3. März schließlich eröffnet Florian Feisel, Performer, Figurenspieler, Regisseur und Professor am Studiengang Figurentheater an der Musikhochschule Stuttgart, seine Objektinstallation „Schmetterdinge“.

*Die phantastisch einfache, aussagekräftige, assoziationsreiche Verdichtung eines brennenden Themas auf die beiden essentiellen Worte „Möglichkeit Mensch“ verdanken wir dem Friedrichshafener Zeppelinmuseum, das uns den Titel seiner aktuellen Ausstellung Möglichkeit Mensch – Körper | Sphären | Apparaturen freundlicher Weise geliehen hat. Danke! Die Ausstelllung dauert noch bis zum 09. Oktober 2016