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Auch Sex mit Robotern kann fade werden

Das O-Team widmet sich der Beziehung zu Maschinen.
erschienen am 25.04.2017 in StZN
von Julia Lutzeyer

Die Sache ist heiß: Vor wenigen Monaten fand in London der Kongress „Liebe und Sex mit Robotern“ statt. Im Jahr 2050 – so das Versprechen – werde es möglich sein, mit menschenähnlichen Robotern eine Art Liebesbeziehung zu führen. Diese Hypothese ist für das Stuttgarter O-Team ein Anlass, auf der Bühne vorzuführen, wie gut Mensch und Maschine miteinander können. Die Thematik ist so brisant, dass die Gruppe aus Samuel Hof, Nina Malotta und Folkert Dücker mit ihrem neuen Stück „Singularity“ zum Internationalen Figurentheater-Festival Erlangen eingeladen wurde, noch ehe es im Fitz seine Uraufführung erlebte.

Es treten auf: ein leibhaftiger Schauspieler und Lola. So heißt der vollbusige Prototyp eines Sexroboters, den eine gewisse Firma mit dem auf Pygmalion anspielenden Namen Galatea dem Ensemble zur Verfügung gestellt haben soll. Real oder Teil der Inszenierung? Die Homepage der angeblichen Firma wirkt jedenfalls verdächtig handgestrickt.

In der Eröffnungsszene herrscht Einsamkeit. Folkert Dücker sitzt nackt auf einem Stuhl, bewegt ruckartig die Gelenke. Ein Zierfisch belebt die Szene und dreht im Wasserglas seine Runden. In Dückers mechanischen Kopulierbewegungen wird der Mensch schon zur Maschine, ohne dass er mit einem Androiden konfrontiert ist. Unter einer Plane kommt eine Art Pappkamerad aus drei gestapelten Kartons zum Vorschein. Dialogfetzen aus Henrik Ibsens „Nora oder Ein Puppenheim“, gesprochen von zwei Handpuppen, verweisen darauf, wie blutleer eine auf Besitz basierende Partnerschaft ist.

Als Lola irgendwann doch ins Rampenlicht rückt, bleibt die erhoffte Belebung aus. Sie kann zwar sprechen, sich bewegen und sogar atmen, wie es scheint. Und doch ist der Roboter in Weibsgestalt zu nichts zu gebrauchen. Suche nach Nähe, Gewaltexzesse, wenn sich diese nicht einstellen will, der Geschlechtsakt als letzte Zuflucht und dazwischen ein Fingerspiel, indem Lola zur konkurrierenden Artistin wird: Diese sparsam inszenierten Aktionen sind eingebettet in viel Leerlauf. Irgendwann stellt sogar der Zierfisch seine Runden ein.

Das O-Team lässt ein Miteinander von Mensch und Maschine gar nicht erst in Gang kommen. Dadurch kann es weder vom Gelingen noch vom Scheitern einer solchen Beziehung erzählen. Damit verweigert es sich allerdings auch den Möglichkeiten des Figurentheaters. Schließlich setzt dieses in der Regel auf Suggestion, nicht auf Desillusionierung. Konsequent immerhin, dass der Darsteller zuletzt zur Phallus-Attrappe greifen muss, um mit Lola Sex zu haben. So finden am Ende zwei Industrieprodukte zusammen.