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Aus der Krise soll Kunst werden

Die 1. Stuttgarter Heiltage im Fitz versprechen Wellness und gute Gespräche
erschienen am 29.11.2017 in Ludwigburger Kreiszeitung
von Arnim Bauer

STUTTGART. Was haben „Heiltage“ im Fitz zu suchen? Denn ebendort werden die 1. Stuttgarter Heiltage für den 1. und 2. Dezember ausgerufen. Von welchem Heil ist also die Rede? Heilverfahren, Kur, Wellnessprogramm, Moorbäder oder Frühsport? Oder gar Politisches? Stefanie Oberhoff, Stuttgarter Figurenspielerin („Die Gräfin“) und Initiatorin und Organisatorin dieser Veranstaltung, macht klar, dass es sich in erster Linie um das Seelenheil handelt, das hier gepflegt werden soll. Ein wenig das der beteiligten Künstler, ein wenig das der Zuschauer und vielleicht auch das des Humors an sich.

Die Wurzeln finden sich in Oberhoffs Erfolgsstück „Schnitzel of Love“ aus dem Jahr 2012. Dieses Stück, bei dem sich eine Frau ein Stück Fleisch aus dem Bauch schneiden lässt, um es als Schnitzel zu braten, entstand, wie sie berichtet, in einer Phase des Liebeskummers der Spielerin. In den folgenden Jahren begegneten ihr immer wieder Kollegen oder Künstler anderer Genres, die Kraft aus erlittenen Niederlagen, Schicksalschlägen oder anderem Kummer zogen und daraus spannende Kunstbeiträge machten. „Aus solchen Situationen entsteht oft ein sehr scharfer Humor, sarkastisch, bösartig, treffend, einfallsreich“, sagt sie. So wuchs die Idee, diese ganz unterschiedlichen Ansätze aus Theater, Musik, medialer und bildender Kunst einmal zusammenzuführen.

Wie Moorbäder und Massagen

In der Ankündigung wird das so umschrieben: „Aus dem Endzeit-Szenario machen wir die Jahresend-Katharsis! Aus Theater, Kino und Musik wirken die paradoxen Heilungskräfte des Leides und werden angewendet wie Moorbäder und Massagen: Innerlich und äußerlich, aber auch bei akuten Problemen wie Zorn, Angst, Überforderung, Behinderung, Kummer und Wut. Aus der Krise wird Kunst. Deren reinigende Effekte sind ja seit der Antike bekannt.“ Konzerte, Lesungen, Filme und Performances reihen sich aneinander, das ganze Fitz wird zur Kuranstalt und das Publikum bekommt, so Stefanie Oberhoff, „ein psychosomatisches Handbuch, denn die Macht der Kunst kann heilen und neue Kraft spenden.“ Professionelle Schauspieler sind ebenso dabei wie Menschen, die zum ersten Mal vor Publikum auftreten. Am Samstagabend werden rund 30 Aktive die Zuschauer unterhalten, wird das Fitz vollends zum Kursaal. Mit Witz und Können werden die Zuschauer und die Akteure gestärkt, dabei sollen auch persönliche Gespräche nicht zu kurz kommen. „Es wird kein Mitmachtheater“, verspricht Stefanie Oberhoff, „aber wir lassen bewusst Pausen, in denen es gerne zu Gesprächen kommen soll, bei denen Zuschauer und Performer zu persönlichen Unterhaltungen finden sollen. Schon im Vorfeld, so erzählt die Regisseurin, kommt es zwischen Künstlern, die sich vorher noch nie begegnet sind, manchmal recht spontan zu neuen Ansätzen, wenn etwa eine kongolesische Sängerin und eine Jodlerin Gemeinsamkeiten entdecken und eine neue Performance daraus machen. Das seelische Kurbad scheint also vorprogrammiert.