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Entzückende Winzlinge auf Abenteuertour

Das Stuttgarter Figurentheater Wilde & Vogel gastierte mit den
erschienen am 06.12.2004 in Bonner Rundschau
von H.D. Terschüren

Die Hobbits, das sind bei J.R.R. Tolkien die Winzlinge des Märchens, noch viel kleiner als die Zwerge, Hobbit Bilbos Freunde. 13 samt dem Zauberer Gandalf fallen Bilbo eines Tages zur Teatime ins Haus – in der Brotfabrik ist das ein Wohnfass. Doch sie schlagen den Tee aus und schicken Bilbo auf die Suche nach dem Schatz der Zwerge, den der furchtbare Drache Smaug am Einsamen Berg bewacht.

Klar, beim „Hobbit“, vom Stuttgarter Figurentheater Wilde & Vogel am Wochenende dreimal in der Brotfabrik gezeigt, handelt es sich, auch wenn uns manches an die Nibelungen erinnert, um ein englisches Kunstmärchen. Es gibt keinen, der es nicht kennt. Doch eine so schöne Fantasy-Einrichtung dafür hat man noch nicht gesehen. Wenn es ein Gegenstück zum Fantasy-Film gibt, dann müsste es so aussehen.

Bescheiden in der Technik, aber einfach fantastisch in der Wirkung. In der Regie und der leichten, ironischen Texteinrichtung von Christiane Zanger spielten Florian Feisel und Michael Vogel die Handfiguren. Dabei immer sichtbar mit Hand und Bein oder als Schauspieler. Sie mischen die Genres. Nur dem überlebensgroßen Gandalf haben sie ein weises Gesicht gegeben und einen Walleumhang, unter den ein Schauspieler schlüpft.

Die Stuttgarter Schauspieler brauchten nicht viel: Stoff, Pappmaschee, Lichtspots und die geisterhaften Klänge, die Charlotte Wilde Geige und Mandoline entlockte. Die Geschichte ist einfach und linear zu erzählen. Der kleine Hobbit, kaum so groß wie die Hand, die ihn führt, und das Gegenteil von einem Hero, muss durch Nebelgebirge und Nachtwald hindurch, bevor er zum Einsamen Berg kommt. Und bis dahin muss er viel Fersengeld zahlen, um den Alpträumen zu entkommen.

Die Figurenfantasie der Stuttgarter macht Spaß. Ein schlabbriger Hobbit mit altklugem Köpfchen; ein Wichtel (mehr gibt es nicht, dreizehn mal wird er durchs Fass hindurchgereicht) mit Knautschgesicht; die gewaltige Kröte und die vielgliedrige Spinne, die durch den Bühnenhimmel hangelt, bis sie ein kühner Messerstich hinmacht. Die Krönung ist der Drache, nur rotes Auge und glühender Atemstrahl durch die Stoffdrapierungen hindurch. Richtig gut das alles, und das auch noch heute Morgen, 10 Uhr.