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Flughund trifft Supernova

Das Stuttgarter Figurentheater Fitz zeigt das Kindertanzstück „Im Wind“
erschienen am 29.05.2017 in STN
von Sabine Fischer

Ein rotes Tuch wird in die Luft gerissen, flattert rastlos umher und landet schließlich auf dem Boden. Daneben taumelt ein winziger Korken haltlos durch die Böen auf einem stilisierten Plastikplanenmeer. Alles wirbelt auf der Bühne des Fitz, rauscht durch die Luft, dreht sich fröhlich um sich selbst – und im Hintergrund lacht leise der Wind. Mal ist er sanft, mal unerbittlich, der stille Protagonist des Tanztheaters „Im Wind“, das am Samstag seine Premiere feierte. In assoziativen Klang- und Bewegungsmustern erkundet Martina Couturiers Inszenierung dabei die Zustände der bewegten Luft.

Seinen Ausdruck findet das Stück für Kinder ab 2 Jahren dabei nicht in einer kohärenten Erzählung, sondern in einer Reihe fantasievoller, aber lose aufeinander folgender Abstraktionen: Eine Feder wird so zum dauerschnüffelnden Flughund, eine Folie zur fliegenden Supernova, eine kleine Holzkugel erklimmt in Sisyphos-Gedächtnis-Geste unermüdlich einen schneebedeckten Papierberg, von dem der Wind sie immer wieder hinunter pustet. Zum eigentlich interessanten Gegenstand der Inszenierung wird jedoch der Körper der Choreografin Cinira Macedo. Mal treibt er behäbig in einer scheinbaren Brise, mal wird er in wilden Kapriolen von einer Böe durch die Luft gerissen – Macebos Körper wird so zum Experiment, zur Spielwiese, an der die Kraft des Elements erprobt werden kann. In Kombination mit akustischen Anreizen – unterstützt wird sie nämlich vom Berliner Klangkünstler Boris Hauf – wird das Stück so zu einer ganzheitlichen, sinnlichen und gleichzeitig außerweltlichen Erfahrung.