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Presse

Märkische Allgmeine Zeitung, 6.4.09

Die Vernunft im Eimer

"...Die folgende Aufführung mit den beiden Ausnahme- Puppenspielerinnen Susanne Olbrich und Stephanie Rinke konfrontierte die Zuschauer mit der skurril-düster-pathetischen Fantasy-Welt der nordischen Mythologie. Ihr Stück „Odin“ schildert, kommentiert und ironisiert das ewige Gemetzel zwischen Göttern, Riesen und Heldengeschlechtern. Am Ende sind sie alle tot, nur die völlig unwichtigen Menschen überleben.

Mit Hilfe eines Geräuschemachers, der sehr diszipliniert im Hintergrund wirkt, bieten die beiden Frauen ein expressives Feuerwerk an Assoziationen und Bildern an. Sie agieren hinter einem Lichttisch und zeigen zum Beispiel, was es bedeutet, wenn die Vernunft im Eimer ist. Dabei schlittern sie gern von einer sprachlichen Ebene in die nächste. Es geht ihnen nicht so sehr darum, eine nachvollziehbare Handlung zu erzählen. Vielmehr erkunden sie die vielfältigen Möglichkeiten des Theaters, sich einem Stoff zu nähern. Ihr hochprofessionelles, munteres Changieren zwischen geführten Puppen und schauspielerischen Elementen, die sie selber einbringen, steckt voller bleibender Überraschungsmomente."

 

Potsdamer Neueste Nachrichten, 6.4.09

Götterzorn und Brudermord

...Theater Fusion und Theater Paradox bieten alles auf, was es an theatralischen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten gibt, um die nordische Edda-Sage mit ihren Möchtegern-Helden auf die Schippe zu nehmen. Was soll auch schon rauskommen, wenn Riesen aus Achselschweiß und die Vernunft gar aus Spucke gezeugt wird. Letztendlich spucken alle auf sie und ziehen zu Felde, um sich gegenseitig auszurotten. Stephanie Rinke und Susanne Olbrich sind Zwerg und Riese, Gott und Krieger und zusammen mit ihren Puppen eine ganze Saga. Von der versteht man zwar nur die Hälfte, aber umso zündender sind Magie und Spielwitz."

 

Stuttgarter Zeitung 31.12.05

Der Untergang des Hauses Odin als wilde Revue

Susanne Olbrich und Stephanie Rinke mischen im Fitz mit ihrem Figurentheaterstück die nordischen Göttersagen auf

Von Rolf Spinnler

"Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde" - so beginnt die Schöpfungsgeschichte der Bibel im 1. Buch Mose. Aber war das wirklich der Anfang, oder gab es noch ein Davor, eine Zeit vor der Zeit, in der noch keine Götter existierten? Anders als die monotheistische Religion beantworten die Schöpfungsmythen vieler Völker diese Frage mit einem entschiedenen Ja und lassen die Welt aus einem Kampf der Urelemente entspringen. Die Version der isländischen Edda, in der die Götter- und Heldensagen der alten Germanen gesammelt wurden, lautet so: Im Anfang waren Eis und Feuer, dazwischen tat sich ein tiefer Schlund auf, in dem Kälte und Hitze miteinander kämpften, bis aus ihrem Streit der Urriese Ymir geboren wurde...

Nicht in der alles umfassenden Eins, sondern in der Zwei, in der Polarität antagonistischer Kräfte also, liegt in den altnordischen Mythen der Ursprung aller Dinge beschlossen. Deshalb ist es nur konsequent, dass zwei Puppenspielerinnen die Bühne des Fitz betreten, um dort hundert Minuten lang die Geschichte vom Aufstieg, Streit und Untergang der Riesen und Götter, Trolle und Zwerge zu erzählen. Susanne Olbrich von der Berliner Theater-Fusion und Stephanie Rinke vom Figurentheater Paradox in Stuttgart haben ihr gemeinsames Projekt nach dem Oberhaupt des nordischen Götterclans benannt: "Odin". Die weiteren auftretenden Figuren, denen die beiden Spielerinnen ihre Hände und Stimmen leihen, sind Odins Gattin Fricka und seine Söhne Thor, Hödur und Baldur, der weise Mime und der listige Loki, die Hexe Gulveig und die Weltesche Yggdrasil (Bühne und Puppen: Marita Bachmaier und Christian Werdin).

Viele dieser Figuren aus der altgermanischen Mythologie sind uns, wenn auch manchmal unter anderen Namen, aus Richard Wagners "Ring des Nibelungen" vertraut. Wotan heißt dort der Göttervater, der sich und seine Sippe gegen das feindliche Pack der Riesen und Zwerge verteidigt und doch dem drohenden Untergang, der Ragnarök, der Götterdämmerung, nicht entgehen kann. Auch Tolkiens "Herr der Ringe" hat sich großzügig aus dem Motiv- und Figurenschatz der nordischen Mythen bedient.

Aber vergessen Sie Wagner, vergessen Sie Tolkien! So wie Susanne Olbrich und Stephanie Rinke, effektvoll unterstützt vom Geräuschspezialisten Max Bauer, die Geschichte vom Untergang des Hauses Odin erzählen, gleicht sie eher einem Comicstrip als einer Göttersaga und verhält sich zum wagnerschen Musikdrama wie das Satyrspiel zur Tragödie (Regie: Markus Joss, Musik: Tobias Dutschke). Thor mit seinem Hammer ist ein tumber Schlägertyp wie aus einem Actionfilm, Baldur entpuppt sich als verwöhntes Muttersöhnchen, die Götter lassen beim Ratschlagen einen Joint in ihrer Runde kreisen oder prosten sich mit der Bierflasche zu.

Olbrich und Rinke als blond bezopfte Walküren werfen die gefallenen Helden wie Abfall in einen Eimer und entsorgen sie dann in Walhall. Auch an Anspielungen auf die deutsche Geschichte und deutsche (Un-) Sitten und Gebräuche fehlt es nicht.

Am Ende hilft Odin alles nichts: Die Nornen weissagen ihm, das Schicksal seiner Sippe sei besiegelt. Sein Intimfreund Loki läuft zu den feindlichen Riesen über, und das Trio infernale, bestehend aus dem Wolf, der Schlange und der Todesgöttin Hei, rückt immer näher an den Götterwohnsitz Asgard heran. Wenn am Schluss die Bühne blutrot aufleuchtet und das Feuer des Anfangs wiederkehrt, das den Gott und seine Sippe überdauert, dann beschließt dieser magische Augenblick einen Abend, an dem sich Scherz, Satire und tiefere Bedeutung auf gelungene Weise miteinander verbunden haben.

 

Esslinger Zeitung, 31.12.05

Menschelnde Götter

Die Welt geht unter, die Schöpfung überlebt: "Odin" im Stuttgarter Fitz

Von Inge Bäuerle

Stuttgart - Na toll. Da hängen so ein paar öde Götter und Halbgötter in einem Mittelding aus Heimwerkerstätte und einer Versuchsanordnung für Physik-Einsteiger herum. Und die ach so Übermenschlichen bringen nichts zustande, außer Ärger, Toten und noch mehr Göttern. So sieht es aus im Haus von Chefgott Odin und im gleichnamigen Stück im Stuttgarter Figurentheater Fitz. Mit der Inszenierung von Markus Joss sind Asen, Nornen, Walküren, Trolle und andere Figuren aus der altisländischen Edda-Dichtung eingezogen. Und alle haben sie kleine Köpfe, wallende Mäntel aus rechteckigen Pelzstücken und drunter keine definierten Körper. Nichts wirklich Greifbares, wie das eben so ist bei Göttern.

Aber da sind ja noch die Figurenspielerinnen Susanne Olbrich und Stephanie Rinke: Sie füllen die Gestalten in ihrer turbulenten Mischung aus Erzähl-, Material- und Puppentheater mit prallem Leben. Da opfert Odin, der ewig Fragende, ein manchmal leicht autistischer Wissenschaftler auf der Suche nach dem, was die Welt im Innersten zusammenhält, mal eben beiläufig sein eines Auge, um beim Riesen Mimir aus der Quelle der Weisheit trinken zu dürfen. Da kloppt sich sein Sohn Thor mit dem Hammer Mjölnir, der gefährlichsten Waffe der Welt, selbst auf den Schädel und geistert fortan als schwachköpfiger HipHopper umher. Ganz im Gegensatz zu seinem Bruder Baldur: Die freundlich-milde Lichtgestalt, ein erbärmlicher Hasenfuß mit Strickmütze, ist auf der Stelle tot, als ihn der böse Riese Loki mit einem Mistelzweig ins Herz piekst. Und der weise Mimir gurgelt nur noch erbärmlich, weil ihm der Resonanzkörper fehlt: Er wurde enthauptet und fristet seither in einer Vase sein rumpfloses Dasein. Wie soll das bloß enden, fragt man sich schließlich, wenn aus Odins frühem Frankensteinprojekt, der Erschaffung der Vernunft aus Götterspucke, eine Angela Merkel-Parodie wird, die wortwörtlich im Eimer durch die Gegend hopst.

Respektlos erzählt

So finden die beiden Figurenspielerinnen zum Brüllen komische, aber auch poetische Bilder für Odin und seinen Götterclan, den außer Waldorfschülern und aufrechten Wagnerianern kaum noch einer kennt. Dabei menscheln die altgermanischen Götter gerade so wie ihre griechischen Kollegen. Das liegt zum einen am Stoff, zum anderen am respektlosen Erzählprinzip: hemmungslose Vereinfachung, lebhafte und karikierende Illustration mit einem untrüglichen Riecher für den tieferen, sozusagen urmenschlichen Stoff, aus dem die Mythen sind - Liebe, Eifersucht, Habgier, Hass. Stephanie Rinke und Susanne Olbrich schlüpfen nicht nur wie im Flug in alle Rollen, sondern erzählen beispielsweise mit einem Tauchsieder in der Wasserschale von der Erschaffung der Welt. Häufig führen sie zwei Puppen gleichzeitig - oder teilen sich zu zweit den Odin. Die Spezialeffekte liefert Max Bauer. Der Geräuschmacher entlockt Rohren, Dosen und seiner Kehle gleichsam Donnergrollen, Geflüster und Monstergebrüll. Ein bisschen Wagner muss natürlich auch sein. Nämlich dann, wenn die Götter Krieg spielen. Als Walküren sammeln Rinke und Olbrich von einem angedeuteten Heißluftballon aus die Toten in ein Blecheimerchen.

Ganz schön kaputt, diese Welt. Kein Wunder, dass sie untergehen muss. Am Ende, so hat's die Seherin Wöla, prophezeit, ist kein einziger Gott mehr da. Auch keine Nornen, oder Trolle - und den leise protestierenden Odin lässt der Weltuntergang unter dem flammend rot angeleuchteten Glasdeckel der Spielfläche verschwinden. Nur die beiden Menschen, die Odin und seine Brüder einst geschaffen haben, sind noch übrig. Was aus den beiden so ohne Schutz und Aufsicht geworden ist? Sie oder zumindest ihre Sippen leben wohl noch heute. Und tun es den Göttern gleich. Produzieren Ärger, Tote - und mehr Menschen.

Ludwigsburger Kreiszeitung, 31.12.06

Göttliche Wesen schlagen sich mit Neidern herum

Ein unterhaltsamer Ausflug zu Odin und Thor im Figurentheater-Zentrum Fitz

Stuttgart - Die Edda, eines der ältesten Werke der Weltliteratur, liefert das Hauptwissen um die Mythologie der alten Germanen. Die Asen, göttliche Wesen, die sich mit sich selbst und den Nei­dern herumschlagen müssen, haben hier ihre literarische Heimat gefunden. Stephanie Rinke vom Stuttgarter Figurentheater Para­dox und Susanne Olbrich von Theater-Fusion Berlin haben sich zusammengetan, um aus diesem Stoff theatralisches Met zu trinken und ihren "Odin" im Figurentheaterzentrum Fitz zu präsentieren.

Um die Spielfläche, so etwa zwei auf zwei Meter groß, bewegen sich die beiden, erzählen, spielen und bewegen ihre Puppen. Drumherum in etwas Abstand an drei Seiten Tische, auf denen nicht nur Requisiten griffbereit liegen, Puppen abgelegt werden, sondern um die vor allem Tobias Dutschke sich bewegt, der aus diesem sichtbaren Hintergrund die Geräusche beisteuert.

Das ist ein wichtiges Element in diesem Spiel, bei dem sehr schnell klar wird, dass es weniger um die getreue Wiedergabe der Sage geht: Vielmehr haben die beiden Künstlerinnen in dieser Fabelwelt eine willkommene Vorlage für ein ungemein phantasiereiches und kreatives Spiel gefunden.

Manchmal lustig, dann wieder fast dokumentarisch spielen sie den Untergang der Asen um Odin nach, immer mehr dem Spielerisch-Unterhaltsamen verpflichtet als der Erzählung selbst, die sich auf ihre Art aber doch spannend und schlüssig entwickelt.

Die Puppen der beiden, mit wallenden Gewändern und kleinen Köpfen, dafür aber mit den großen Händen der Spielerinnen ausgestattet, sind ungemein plastische Gebilde, die aber längst nicht das Treiben alleine befördern. Rinke und Olbrich bringen sich immer wieder in unterschiedlichen Funktionen selbst ein, sind Erzähler, Mitspieler, Teile der Puppen.

Das verleiht dem Geschehen ungemeine Vitalität, macht es spannend und zeigt, wie künstlerisch befruchtend derartige, in der Figurentheaterszene gerne geübte Zusammenarbeit sein kann. Arnim Bauer

 

Berliner Morgenpost 14. Juni 2005

Odin

"Es spricht sich schlecht, der Kopf ist ab, was ist passiert?", fragt man sich im Reiche Asgard. Mimir, der weise Riese wurde geköpft, nachdem Odin, Oberhaupt des Göttergeschlechts der Asen, zum Preis eines Auges von der Quelle des Wissens getrunken hat. Doch dem Gott des Krieges, der Weisheit und der Magie wird auch der letzte kühne Deal nicht helfen. Denn das Unausweichliche ist nicht korrumpierbar und das Schicksal lässt sich kaum wie ein Werkstück drehen und wenden. Im Puppentheater "Die Schaubude" schmieden das Stuttgarter Figurentheater Paradox und die Berliner Theaterfusion (Spiel: Stephanie Rinke, Susanne Olbrich) mit "Odin" in 100 Minuten ein fulminantes Stück über germanische Mythologie.

Die Bühne ist ein Weltenlaboratorium. Ein Leuchttisch in der Mitte wird zur inneren Bühne, auf der sich das globale Geschehen einer heute relativ klein anmutenden Welt konzentriert. Hier lokalisieren sich Allvater Odins Schlachtfelder: das kriegerische und das der philosophischen Erkenntnis.

Trolle, Riesen, Menschen und Zwitterwesen, sogar die Zeit an sich, sind seine Gegner. Der Fenriswolf, sagen die Seher, wird Odin verschlingen. Im Totenreich Walhall will Odin seine Krieger wieder erwecken. Doch hier erscheinen die Helden wahrlich "im Eimer". Die Asen-Söhne vernebeln sich den Blick mit Joints und Bier und grüßen mit " Give me five".

Die Spielerinnnen nehmen ihre Figuren behende und sanft-sensibel, leihen ihnen Gestus und Stimme, werden selbst mythische Charaktere und greifen erzählend in die Story ein. Sie führen die Puppen in offenem Spiel mit den Händen, während ein professioneller Geräuschemacher (Max Bauer) in allen Varianten von Poesie bis Katastrophe agiert. Tragikomische Untergangsironie und ein göttlicher Heidenspaß!

 

Neues Deutschland 14. Juni 2005

Götter im Stress

Von Robert Meyer

Götterchef Odin und eine Walküre rauchen einen Joint. Sie plötzlich: »Wir brauchen unbedingt eine Halle, in der sich die toten Krieger austoben können, eine Tote-Krieger-Halle«. Odin, gebannt von dem Gedanken: »Ja, mit neun großen Toren, da können sie dann hinein und hinaus wallen.« Wallhall das eher nebenläufige Produkt eines umnebelten Zustandes?

Entstehen und Vergehen der germanischen Götterwelt zeigte die Inszenierung »Das ODIN Prinzip« von Theaterfusion {Berlin) und Theater Paradox (Stuttgart) - Odin als Puppe, die Walküre eine junge blonde Frau. Unter der Regie von Markus Joss führten Susanne Olbrich und Stephanie Rinke durch den wilden germanischen Götterhimmel dessen Bewohner eher gestressten Menschen glichen als mythologischen Gestalten. Hammerschwinger Thor ist eine Dumpfbacke, Riese Loki fühlt sich unterdrückt.

Mit sparsamen Mitteln entstand hier ein Stück, das Spaß macht und auch noch die Geschichte der germanischen Götterwelt erzählt. Odin will die Götterdämmerung nicht so recht akzeptieren, ist aber ohne Chance, am Ende muss er abtreten.

Magdeburger Volksstimme, 5.11.05

"Odin": Premiere für eine Koproduktion im Magdeburger Puppentheater

Ein geräuschvoller Untergang

Susanne Olbrich und Stephanie Rinke ließen die Götterwelt der Äsen und ihrer Feinde lebendig werden. Unterstützt vom» Geräuschekünstler Max Bauer wurden die Zuschauer bei der Premiere von "Odin" im Magdeburger Puppentheater Zeugen vom Werden und Vergehen der Welt.

Von Liane Bornholdt

Magdeburg. Die Welt, die der Göttervater Odin und seine Brüder Vili und Ve aus dem erschlagenen Riesen Ymir formten, ist eine Scheibe. Am Rande leben die Riesen in Jötunheim, in Midgard leben die Menschen. Im Zentrum aber liegt Asgard, wo die Götter, die Asen, leben. In der Mitte steht die Weltenesche Yggdrasil, in deren Wurzeln die Nornen die Schicksalsfäden weben.

Die Weltschöpfung nach der Edda wird nachgespielt in einer Bastelwerkstatt, wird sichtbar auf dem Tisch, vor allem aber hörbar. Und das nicht nur durch die Erzählung der beiden Spielerinnen, sondern vor allem durch die drastischen Geräusche, die keinen Zweifel daran lassen, das aus Riesenknochen Felsen entstehen, dass sich sein Blut zum Weltenmeer ergießt und dass seine Hirnschale ein Blecheimer ist, der die Himmelskuppel wird. Die Urelemente Feuer und Wasser vereinen sich als der glühende Tauchsieder mit großem Zischen in die Glasschale eintaucht.

Aber erst als die Schwestern Naht und Dag ihre Wagen bekommen haben und durch die Kuppel sich immer verfolgen und niemals treffen, als also die Zeit entstanden ist, taucht Odin auf. Er sucht, die Welt zu verstehen und zu lenken, erlernt die Weisheit von Mime und trifft auf den Widerpart Loki.

Die Götter, Riesen, Trolle und Zauberinnen sind zwar wunderschöne Hand-Puppen, die, wie auch die Bühne von Marita Bachmeier und Christian Werdin erfunden wurden, sie benehmen sich aber sehr menschlich. Das heißt, dass sie sie sich streiten, dass sie Eitelkeiten frönen und vor allem nach Macht streben. Klug werden sie freilich auch durch Schaden nicht. Kein Wunder, denn die Geburt der Vernunft ist eine ziemlich eklige Sache. Dem Schleimgeschöpf möchte man lieber nicht zu nahe kommen.

Dies alles steht so auch in der Edda, aber im Spiel wird die gewalttätige Geschichte; ganz in der Tradition der mittelalterlichen Sänger, mit einigem Humor erzählt. Da verbergen sich Odins Kriegerinnen schon mal unter neuzeitlichen Plastikhelmen, die Walküren sammeln die gefallenen Helden wie Kieselsteine ins Eimerchen, und die Nornen flüstern ihr Wissen unter knalligen Sonnenbrillen verborgen.

Die einzige Hoffnung ist ein Muttersöhnchen

Es entsteht eine Welt, die immer ungemütlich bleibt, und Odins Versuche, sie zu beherrschen, sie zu ordnen und einigermaßen wohnlich zu gestalten, sind zum Scheitern verurteilt. Einzige Hoffnung ist Baldur, die Lichtgestalt. Der aber ist ein ängstliches Muttersöhnchen und wird durch einen unbotmäßigen Mistelzweig getötet.

Das Ende der Asen ist abzusehen und lässt sich auch nicht dadurch aufhalten, dass sich Odin heftig wehrt, als er einfach weggesperrt wird unter die Klappe des Tisches in der Bastelwerkstatt. Man könnte Mitleid haben mit diesen Götter, denn sie sind im virtuosen Spiel, im Licht-, Farben- und Tönezauber (Die Musikauswahl besorgte schön passend und mit vielen witzigen Anspielungen Tobias Dutschke.) sehr lebendig und wunderbar präsent gewesen, so dass man ihnen eigentlich einen zweiten Versuch gönnen möchte.

Aber das Unheil könnte auch zu groß werden, wenn man sie noch einmal losließe, Aber wer weiß, denn nach dem großen Crash in der Weltenwerkstatt sind, so hört man, doch noch zwei Menschen übrig geblieben.