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Presse
Ernesto Hase hat ein Loch in der Tasche


Stuttgarter Nachrichten 17.11.08

Umzug der Hasen

Mucksmäuschenstill liegen Kinder bäuchlings am Rand der Bühne. Gebannt verfolgen sie, wie zwei Feen in einem Topf einen Traum kochen. Mit dem schaffte sich am Samstag eine Hasenfamilie ein neues Zuhause, nachdem sie aus ihrem alten verjagt wurde. Ausverkauft war die Premiere von "Ernesto Hase hat ein Loch in der Tasche" im 60 Personen fassenden Studio des Figurentheaters Fitz. Für Zuschauer ab fünf Jahren konzipiert hat das Stuttgarter Ensemble Materialtheater sein Stück über Armut. Inszeniert von Alberto Garcia Sänchez, fasziniert es mit Bildangeboten, die kindlicher Fantasie Tür und Tor öffnen. Dies ist auch ein Verdienst des Jazzmusikers Daniel Kartman und seiner mit Vibrafon und diversen Perkussionselementen live improvisierten Klangfiguren. Mit schlitzohrig-kindgerechtem Humor lassen Sigrun Nora Kilger und Annette Scheibler eine Stoffhasenfamilie ihre Vertreibung erzählen. Sie erwecken Pappgebilde zum Leben: Ein Haus beginnt zu sprechen. Auf der Jagd nach einem Adoptivkind donnert ein Hasenpaar mit seinem Cabrio über die Bühne - Figurentheater für Kinder vom Feinsten. Horst Lohr

 

Erlangener Nachrichten vom 18.Mai 2009

Wunderschöne Geschichte

Zur Eröffnung des 16. Internationalen Figurentheater-Festivals

Kochshow mal anders: Dank der Koproduktion des «Ensemble Materialtheater» und des «Theatre Octobre» weiß man nun, wie ein Traum zubereitet wird – nämlich in einem Kochtopf, mit solchen Zutaten wie Hoffnung, Fantasie und Angst. Diese Dinge kommen dann tatsächlich im Stück «Ernesto Hase hat ein Loch in der Tasche» in der «Garage» vor. Das Thema Armut ist nicht unbedingt prädestiniert fürs Kindertheater, aber hier so wunderschön in die Geschichte um eine Hasenfamilie auf ihrem Weg ins soziale Abseits verpackt, dass sanfter Humor und leise Traurigkeit sich einvernehmlich die Hand reichen. Anrührend auch die handgemachte Pappkartonwelt, die wirklich alles mit einschloss – Häuser, Auto, Gitarre. Stoffhasen, liebevolle, schalkhafte Details und kommentierende Live-Vibrafonklänge – ein Sujet mit Gewicht, aber ohne Schwere, das begeisterte Kinder zurückließ.

 

Nürnberger Zeitung 19.Mai 2009

Schweren Stoff leicht gemacht

Auch schwere Stoffe finden beim Figurentheater-Festival ihren Platz – und für kindliche Unterhaltung ist erst recht gesorgt, auch dieses Jahr!

Ernesto Hase hat ein Loch in der Tasche» – dieser Titel für das Stück des Figurentheaters Fitz aus Stuttgart und des Puppentheaters Halle klingt lustig. Und die Erlanger Kinder haben auch viel Spaß an der Aufführung, in dem niedliche Plüschhasen die Hauptrolle spielen. Aber der Hintergrund ist ernst, und das spüren auch die Kinder einer Stadt, die bundesweit mit die wenigsten Hartz-IV-Empfänger hat. Je mehr die anfangs glückliche Hasenfamilie unverschuldet in die Spirale der Armut gerät – je mehr Löcher im Haus, in den Taschen, ja sogar in den Ausweispapieren sind – umso nachdenklicher wird das junge Publikum. Und doch gibt es ein Happy-End, denn die beiden Schauspielerinnen als Feen kochen einen zauberhaften Traum… Sehr gut verpackte Sozialkritik.


Mitteldeutsche Zeitung, 12.01.09

Es duftet nach Geheimnissen

In Koproduktion des Stuttgarter Materialtheaters hatte die Geschichte vom Hasen Ernesto Premier

Eine Hasengeschichte voller Turbulenz und Tiefsinn.

HALLE/MZ. "Für einen guten Traum braucht man immer auch Angst. Und eine Störung". Zwei angehende Feen beim Kochen, es duftet nach Geheimnissen. "Wir können ja noch nicht zaubern. Aber einen Traum kochen, das schaffen wir schon." Merkwürdiges landet im Topf. Hoffnung. Phantasie, Humor sogar. Und ein Loch.

Beim Abschmecken verraten die beiden Azubi-Feen ihr Rezept - und die Geschichte, die dazu gehört. Eine ganz normale Geschichte; von Ernesto Hase und seinen Eltern. Familie Hase züchtet Karotten, denkt über ein geschwisterliches Hasenbaby nach und mümmelt - den Lebensgenüssen zugewandt - gern auch ein wenig herum. Man häselt also glücklich durch den Tag bis ein ominöses Loch auftaucht. Und das nächste und übernächste. Ohne es zu merken, hat Familie Hase die Armut ereilt. Das ist der Ausgangspunkt der Adaption des Kinderbuchs Petit-Gris von Elzbieta. Das Ensemble Materialtheater aus Stuttgart und das Théâtre Octobre aus Brüssel zeigen im Puppentheater Halle das Figurenstück "Ernesto Hase hat ein Loch in der Tasche". Sigrun Kilger und Annette Scheibler agieren auf der Bühne als die beiden Feen und verleihen allen beteiligten Langohren zugleich ganz unterschiedliche Charakterzüge.

Weil das Schicksal der Hasens auch von den so genannten Aufpasserhasen bestimmt wird, die sich mit Vorliebe der Kontrolle von Personalpapieren widmen, haben die beiden Puppenspielerinnen mit derlei Geschäftigkeit buchstäblich alle Hände voll zu tun. Dabei spielen sie die Geschichte wie am Schnürchen und ergänzen sie mit der ganzen Vielfalt ihrer Mimik. Trotzdem gönnt das kleine Schauspiel den zuschauenden Kindern und Erwachsenen Verschnaufpausen - nicht zuletzt, weil Musiker Daniel Kartmann Vibraphon und Percussion ebenso dezent und lässig zur Erzählung fügt wie seine bildhafte Geräuschkulisse.

"Ernesto Hase hat ein Loch in der Tasche" ist ein sparsam bestücktes aber von sehr originellen Ideen zeugendes Theaterstück, in dem ein Publikum jeden Alters die Chance auf ein paar wirklich gute Späße oder Tiefsinnigkeiten hat und bei dem an die Nichtigkeit eines Lochs nicht zu denken ist.