Ludwigsburger Kreiszeitung, 08.11.2010
Körper und Masken, Musik und Choreographie: Jeanne d'Arc im FITZ
Stuttgart - Sie ist in Frankreich eine Nationalheldin, sie ist aber vor allem ein Sinnbild für alle mutigen, kämpferischen Frauen, die an ihre Aufgabe glauben: Jeanne d'Arc, die Jungfrau von Orleans. Ihr Leben und Wirken hat das Theater „September" dazu inspiriert, ein Maskenspiel mit Musik zu entwickeln, das im FITZ Premiere hatte.
Oben über der Bühne schaut ein Mensch über eine Brüstung, der gekleidet ist wie ein Hofnarr. Mit einer Barbiepuppe in der Hand erzählt er zunächst in spröden Fakten das Leben der Jeanne d'Arc, die sich als Siebzehnjährige daran machte, Frankreich von den englischen Besetzern zu befreien. Bis zu ihrem Ende auf dem Scheiterhaufen ist die Geschichte rasch erzählt, der Zuschauer weiß Bescheid.
Denn erst danach beginnt die eigentliche Performance. Ein Maskenspiel, bei dem der Narr, dargestellt von Martin Bachmann, als Funker Gottes agiert, der Musik macht und einspielt. Denn nicht nur als Maskenspiel ist diese Darbietung konzipiert, sondern auch als Klangbild und Choreographie. Cecile Legrand spielt die Rollen unter und mit den Masken, die hinter die Fassade der Geschichte blicken. Neben den Fakten werden so auch die Gefühle, Legenden und Hintergründe der Jeanne und ihrer Nachfolgerinnen herausgearbeitet.
Da erklingt aus dem eigens entwickelten Soundsystem mal ein mittelalterlich-höfisch klingender Tanz, es pfeifen Vögel und die Flöte. Dazu Bewegungstheater, Maskenspiel und dezidiert eingesetztes Licht (Doris Schopf). Die eindrücklichen Masken werden zum Teil vor dem Gesicht getragen, zum Teil aber, wenn sie als Gegenüber agieren, auch mit der Hand gespielt.
Ein weites Feld der sensiblen Beschreibung von Mythos, Gefühlen und rauer Pflichterfüllung tut sich auf. Das Körpertheater, choreographiert von Ulrike Kley, und das übrige Spiel (Regie: Jutta Schubert) finden sich mit der Musik von Martin Bachmann zu einem beeindruckenden Ganzen zusammen, das der Historie neue Dimensionen verleiht.