
Stuttgarter Zeitung, 19.03.07
Premiere des Kindertheaters „Lille Meise" im Fitz
Der Kampf des Schwächeren gegen den Stärkeren ist eine uralte Geschichte. Eine Geschichte, die aus dem Leben gegriffen ist und jeden Menschen, ganz egal welchen Alters, irgendwann ein-mal betrifft. Das Zikade Theater Stuttgart unter der Leitung von Ines Müller-Braunschweig hat sich dieser Geschichte nun ange-nommen und sie kindgerecht aufbereitet.
Das Figurentheater „Lille Meise findet einen Schatz", das am Samstag im Fitz Premiere feierte, erzählt von der kleinen Hau-benmeise Lille, die in einer großen Zwickmühle steckt. Sie ist ei-ne begeisterte Sachenfinderin und hat sich schon viele schöne Kostbarkeiten zusammengesucht. Die sind aber nichts im Ver-gleich zu ihrer neuesten Entdeckung, einem funkelnden Schatz. Doch da gibt es eben auch noch Rob, einen großen und starken Raben, der Lille ihren Schatz einfach wegnimmt, weil er dazu gerade mal Lust hat.
Der kleine Meisenpiepmatz will aber auf gar keinen Fall als Petze dastehen - und so muss sich Lille sogar gefallen lassen, dass der starke Rob ihr auch noch die Haube vom Köpfchen zieht und sich damit auf und davon macht. Lille will sich dagegen wehren, aber sie weiß einfach nicht, wie. Wie gut, dass es die große, weise Eu-le namens Olla gibt. Die weiß nämlich Rat.
Die Inszenierung von Angelika Jedelhauser beeindruckt mit viel Liebe zum Detail und großer Kreativität, Dabei sind Ines Müller-Braunschweigs selbst gestalteten Figuren mindestens genauso sehenswert wie ihr ausgefallenes Spiel, das sein Publikum nicht ohne eine wertvolle Botschaft entlässt. Denn am Ende findet sich die kleine Haubenmeise Lille nämlich nicht mehr einfach mit ihrer Situation ab, sondern gewinnt durch die Freundschaft zu Olla den Mut, für ihre Sache einzustehen.
Stuttgarter Nachrichten, 20.03.07
David gegen Goliath: Das ist beim Zikade-Theater Stuttgart der Kampf einer kleinen Haubenmeise gegen den starken Raben. Eine zauberhafte Parabel, bei der auch die jüngsten Zuschauer die Vogelsprache verste¬hen lernen. Mucksmäuschenstill lauscht das Publikum, wenn die handgestrickte Eule der winzigen Meisenfigur Geheimnisse zugurrt. Kein Menschenwort ist zu hören. Trotzdem weiß ein jedes Kind, dass Olla jetzt Lilles neue Freundin ist. Und den Kampf mit Rob, dem Raben, werden die beiden durch Zivilcourage entscheiden.
Die kindgerechte Alltagsgeschichte, die sich ähnlich auf jedem Spielplatz oder Schulhof abspielen könnte, haben Ines Müller-Braunschweig (Spiel), Angelika Jedelhauser (Regie) und Johannes Frisch (Musik) in ihrem Stück „Lille Meise findet einen Schatz" in eine angenehm reduzierte Bühnenfassung zwischen Stehleiter, Holzbrett und Schubkarre gefasst. Lille ist ein winziges Meisenkind, das sich dank seines Spieltriebs mit scheinbaren Nutzlosigkeiten wie einer Garnrolle oder einer leeren Plastiktüte vergnügt. Rob dagegen ist ein obercooler Unhold, der nichts im Kopf hat außer Stänkereien. Seine Stärke ausnutzend, klaut er sogar Lilles blaue Haube und droht: „Wer petzt, dem geht's dreckig."
Mit Suggestivkraft weckt das Spiel die Empathie der Zuschauer, entsteht ohne ein Wort zu viel dennoch eine dialogreiche, magische Atmosphäre.