
Stuttgarter Zeitung
22.11.2008
Was passiert auf der Bühne, wenn drei gestandene Theaterfrauen Lieder aus den fünfziger Jahren präsentieren? Natürlich mehr als bloßes Geträllere. Erst einmal hocken die drei als kreuzbiedere Hausfrauen in drei Papphäuschen. Stefanie Oberhoff in potthässlichen weißen Stiefeln fuchtelt mit einer Zimmerantenne wie mit einem Geigerzähler herum, haut den berüchtigten Knick in ein Sofakissen und putzt Fenster, dass es quietscht. Es wird gesungen, von Paris, das angeblich flächendeckend von der Liebe träumt, und von roten Lippen, die unbedingt zu küssen sind. Bei dem Song „Fever" schiebt sich Stephanie Rinke einen warmen Toaster zwischen die nackten Schenkel. Und Ulrike Kirsten Hanne mimt die amerikanische Freiheitsstatue mit einem hoch erhobenen Pümpel, also einer Klosaugglocke. Astrid Griesbach hat die einstündige Nummernrevue „Mein schönster Liederabend" im Fitz inszeniert. Michael Rüber begleitet die drei lustigen Mädels auf der Gitarre. Ach, es ist so wunderbar, wenn die Frauen in Pünktchenkleid und Pumps nach Italien reisen. Stefanie Oberhoff bestellt mit ihrer schönen tiefen Stimme in wundervollem Schwäbisch: „Zwei Grabba, aber prego!" Ein Vespa-Kotflügel wird erst zur Italienkarte, dann zu einer riesigen Muschel, ein bisschen Figurentheater muss sein. Natürlich werden auch zivilisatorische Errungenschaften der Fünfziger wie Toast Hawaii, Käse-Igel und eingelegte Maiskölbchen gewürdigt. Irgendwann sinken die drei Hausfrauen völlig erledigt zu Boden. Kommentar: „Den Eierlikör mach i nemma selbsch!" Schön, wie dieser Abend Kreuzbiederkeit und einen Aufbruch in etwas Lockeres mixt. So waren die Fuffis. (C.B.)
Ludwigsburger Kreiszeitung, 24.11.08
Fitz präsentiert "Mein schönster Liederabend"- Blick auf die 50er Jahre
Stuttgart - (aba) Einfach ein bisschen Klamauk machen, das scheint die Idee zu sein, die die Figurentheaterspielerinnen Stephanie Rinke, Stefanie Oberhoff und Ulrike Kirsten Hanne zusammen mit Regisseurin Astrid Griesbach hatten, als sie die Revue "Mein schönster Liederabend" aus der Taufe hoben.
"Komm ein bisschen mit nach Italien, komm ein bisschen mit ans blaue Meer", trällern die drei Frauen, die gerade aus überdimensionierten Schuhschachteln geklettert sind. Leider haben die drei ihre wunderbaren Masken abgelegt, sie wären wohl hinderlich. Aber auch so sieht man auf den ersten Blick, wir sind in den goldenen 50ern. Und schon erklingt das schöne Lied vom Izzy Bizzy Teenie Weenie Honolulu Strandbikini. Das waren noch Zeiten. Sorglos, naiv und locker. Oder doch nicht? Wenn die drei aus ihren Schachteln herausschauen, sich als tratschende Nachbarinnen geben. Oder wenn zwei der drei sich entrüstet abwenden, wenn die Dritte bekennt, sie sei "polyglott". Das muss ja was Unanständiges sein. Und züchtig und anständig ging es damals zu. Jawoll! Und wenn was passierte, hatte man auch gleich einen Schuldigen, sogar musikalisch dingfest gemacht: "Schuld war nur der Bossa Nova." So viel zum lockeren Zeitbezug der Revue. Tatsächlich aber ist der Abend komisch und skurril, die drei haben sich tatsächlich dem manchmal an Comedy grenzenden Treiben verschrieben, dessen Sinn sich nicht immer so ohne weiteres erschließt - wenn denn überhaupt vorhanden. Spaß um des Spaßes willen, ja warum denn nicht. Und die eine oder andere Szene ist wirklich ein Brüller-chen, so mancher Song in der verzerrten Welt der Figurentheaterspielerinnen zwischen Realität und ulkiger Fiktion ist eine gelungene Parodie.
Und wenn die drei Furien, die singend über die Bühne hopsen, am Ende wieder in der Schachtel sind, dann hat ein Stück harm- aber nicht bedeutungsloses Theater seine Ziel, die fesche Unterhaltung, erreicht.

