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Presse

WAZ 21.09.2010

Die Streicher vermessen den Raum

(...) In der ausverkauften Zeche 1 war eine Inszenierung zu erleben, die durch ihre Bilder faszinieren konnte: Ludwig mit mexikanischem Sombrero samt Boxhandschuhe umringt von Streichern, der Hund läuft mit Engelsflügeln über die Bühne. Dazu verstohlene Dissonanzen der Saiteninstrumente. Und immer wieder gab es Bilder in feinster Tim-Burton-Ästhetik, besonders Claudia Engel konnte hier überzeugen. Diese Verzweiflung, zu der sich immer auch Verwunderung und Neugier gesellten, gelang ihr ausgesprochen gut, auch wenn die Performance mitunter zu sehr an Helena Bonham Carter geschult war, was allerdings verzeihbar ist. Besonders das mobile Streichquartett war eine schöne Inszenierungsidee: Die Vermessung des Raumes im Klang der umherziehenden Streicher. Schubert mal nah, mal fern.

Ruhrnachrichten 21.09.2010

Missratene Uraufführung

Das Projekt von flunker Produktionen und dem Cherubin Quartett klang spannend: Ein Stück Figurentheater inspiriert von Schuberts Streichquartett „Der Tod und das Mädchen". Das schlechte Omen, das die anfänglichen deutlichen Missklänge der Kammermusiker bildeten, sollte sich jedoch bewahrheiten: Dieser Schuss ging nach hinten los. ( …) Auf der schicken Bühne zu sehen war schließlich ein bunter Restmüllhaufen aus Fragmenten: Passagen aus dem Streichquartett, größtenteils unverständliche Texte im schrillen Gewand. Wenn man irgendwann beschlossen hatte, dass es nicht lohnt, einen Sinn im Geschehen zu suchen, gab es trotzdem Grund zum Ärger: Sinnlose Bühnenumbauten, leere Gesten und Symbolik. Diese Uraufführung bot Theater, das nicht mehr an das Theater glaubt.

 

Ludwigsburger Kreiszeitung, 29.1 0.2010

Gefangen im Sog der Vergänglichkeit

Franz Schuberts „Der Tod und das Mädchen " im Figurentheater FITZ

Con Arnim Bauer
Mit Musik, Puppen, Figuren, Schauspielern und sogar einem Hund als Komparsen begeben sich die Akteure auf den schmalen Pfad der Interpretation. Dabei verlassen sie konsequent die gängigen Interpretationen, die durch den Text von 1817 vorgegeben sind. Hier treten Tod und Mädchen meist als Partner oder ebenbürtige Gegner auf, als Antagonisten, wie als Gerippe und Fleisch oder einfach als alter Mann und junge Frau. Dabei bleibt das Mädchen durchgängig im kaum veränderten roten, offenherzigen Kleid, während Matthias Ludwig als Tod sehr viel häufiger die Masken und Larven wechselt.
So entsteht ein spielerisches Spannungsfeld, (...) aus alten Bildern werden neue Bezüge. Das Bild von der blühenden Jugend auf der einen, dem kalten Tod auf der anderen Seite wird gehörig durcheinandergewirbelt. Das Schreckliche und Düstere wird in vielen Szenen ersetzt durch eine starke Verweltlichung, die die Macht des Todes zu relativieren sucht. Dabei macht die Inszenierung keinen Hehl daraus, dass es sich um Möglichkeiten handelt, dass man sich von diversen Seiten eher spielerisch dem Stoff nähert, ohne nun endgültige Wahrheiten verkünden zu wollen.

 

 

Stuttgarter Nachrichten , 29.1 0.2010

Der Primgeiger spielt daneben

„Der Tod und das Mädchen" im Figurentheater Fitz

Von Armin Friedl
Eine Sechsjährige beobachtet die Mutter beim Kochen einer Suppe, sieht, wie der Tod erscheint und die Mutter ins Jenseits befördert. Ein Arbeiter erzählt mit rauem Ton und sächsischem Akzent, wie Schutt im großen Stil beseitigt wurde. Dazu spielen vier Musiker ziemlich expressiv Streichquartett. (...)
Der Titel legt Franz Schuberts berühmtes Streichquartett nahe, und dieses Stück erklingt auch immer wieder, doch wer hier die vertraute Nachdenklichkeit erwartet, ist fehl am Platz. Claudia Engel ist grell geschminkt, trägt eine üppige strohblonde Perücke und ein feuerrotes Rüschenkleid, übt sich in Verführungsposen. Auch Matthias Ludwig verweist unter anderem auf deren körperliche Reize, trägt verschiedene Masken, auch mal einen Riesenpenis. Von Todesgefühlen sind beide weit entfernt, kraftvoll und derb ist ihr Spiel. Mit diversen Puppen gehen sie immer wieder die Begegnung von Tod und Mädchen durch, einmal endet das ziemlich brachial mit dem Tod des Mädchens.
Hier wird das Verstörende gesucht: Schauspiel und Musik konkurrieren hinsichtlich der Lautstärke, der Primgeiger liegt mal einen halben Ton daneben. Dass sie ihre Sache wirklich können, beweisen sie anhand der sechs Bagatellen von Anton Webern. Musiker und Schauspieler scheinen sich manches Mal im Weg zu stehen. Bleibt der Hund Boje. Zu Beginn lässt er sich auf seinem Kissen nieder, später lässt er sich vom Publikum kraulen - ein Darsteller in eigener Sache.