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Traumhaft schön

Premiere im Figurentheater Stuttgart: Ann-Kathrin Klatt berührt mit „Klamotte & Bass“
erschienen am 17.11.2015 in Stuttgarter Nachrichten
von Brigitte Jähnigen

Zwei Wesen im Dialog. Knisternd, schabend in einem braunen Papiersack das eine. Klopfend, auf den Saiten eines Kontrabasses raschelnd das andere. Und dann ein paar jazzig gezupfte Töne von Judith Goldbach auf dem Instrument, und aus dem Sack schlüpft Anne-Kathrin Klatt im grauen Ganzkörperanzug, mit Hut, vor dem zwinkernden Augenpaar eine getönte Brille. Sie hüpft unsicher umher, hebt und senkt die buckligen Schultern, entlockt einem über die Bühne gespannten Seil mit einem kleinen Besen ein paar Töne, hängt sich mit zwei Fingern am Seil fest.

Anne-Kathrin Klatt spielt ein lichtscheues Flügelwesen, genannt Klamotte, das, von einem Lichtstrahl getroffen, die Welt zu erobern beginnt. Klamotte ist kauzig, possierlich, verspielt, plagt sich mit einer viel zu großen Jeans, improvisiert mit einem Riesenhut, folgt tänzelnd dem Swing der Bassistin, rockt eine Sequenz.

Ohne Worte, mit vielen Geräuschen, Tönen und Klängen wird in kurzen, wunderbar komödiantischen Szenen von der Neugier eines eigentlich ängstlichen, unsicheren, nicht nur sprichwörtlich grauen Wesens erzählt. Regie führt Michael Miensopust. Und dann trifft das Licht noch einmal die Motte. Es schwingt in Form eines Lampenballons über die Bühne. Die Motte kann nicht widerstehen, spielt mit, verschwindet hinter dem Bühnenvorhang. Der Vorhang fällt, an einem Kleiderbügel schimmert ein traumhaft schönes Gewand.

Wie tief Schönheit berühren kann, spüren kleine und große Zuschauer im Finale. Anne-Kathrin Klatt schlüpft in diese fluoreszierende Chiffonkreation, führt mit betörend schönen Bewegungen – mal in der Pirouette, mal in Sprüngen – die Verwandlung ihrer Figur vor. Judith Goldbach spielt am Bass das ungarische Kinderlied „Kis Kacsa“. Vom musikalischen Objekttheater für Zuschauer ab vier Jahren sollte man sich unbedingt berühren lassen – im Fitz wieder von diesem Donnerstag an.