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Warten ist eine erlernbare Tugend

Meinhardt & Krauss mit 'Herr Eichhorn' im Figurentheater Fitz
erschienen am 09.12.2013 in Stuttgarter Nachrichten
von Brigitte Jähnigen

Ein Baum, ein Erdhügel, trockenes Laub überall: Öd ist es im Wald, der Winter sollte kommen. ‚Der Winter ist schön‘, hat der Bock gesagt. Und Schneeflocken seien weich, kalt und weiß. Doch wer wie Eichhorn, Igel und Bär zu den Winterschläfern zählt, hat noch nie eine Schneeflocke gesehen und kann irren.

Die Kinder vor der Bühne lachen, als es Zahnbürsten auf der Videowand regnet: ‚Das ist doch kein Schnee.‘ Auch leere Dosen und weiße Socken lösen Gelächter aus. Iris Meinhardt ist eine Zauberin. In dem Stück ‚Herr Eichhorn und der erste Schnee‘, zu sehen im Figurentheater Fitz, unterhält sie das Publikum viele poetische, humorvolle Augenblicke lang mit dem possierlichen Herrn Eichhorn, der sich, um nicht einzuschlafen, mit Hüftschwüngen fit hält, und dem verpennten Igel, der sich zum Eichhorn gesellt.

Sie schlüpft so gewandt in ein Bärenfell, dass keiner der kleinen Besucher erschrickt. Warten, lernt das Publikum, ist eine Tugend, die geübt werden kann. Am besten bei Bewegung an frischer Luft, mit fantasievoller Musik (Thorsten Meinhardt) und vielen spontanen Spielideen. Als Vorlage dient das Bilderbuch von Sebastian Meschenmoser; Regie in diesem bezaubernden vorweihnachtlichen Theatergeschenk führt Michael Krauss.