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Wichte in der Wohntonne

erschienen am 06.12.2004 in General-Anzeiger Bonn
von Elisabeth Einecke-Klövekorn

Mit den opulenten Kinobildern des „Herrn der Ringe“ hat „Der Hobbit“ vom Figurentheater „Wilde & Vogel“ nichts zu tun. Mit dem Kampf um das Königreich von Thorin Eichenschild und der Rückeroberung des großen Zwergenschatzes aber natürlich eine ganze Menge.

Das Stuttgarter Theater, das zuletzt mit einer Adaption des „Fliegenden Holländers“ in der Brotfabrik zu Gast war, hat Tolkiens Erzählung „Der kleine Hobbit“ als Vorlage gewählt und das neue Stück mit der Brotfabrik koproduziert.

Es ist eine Arbeit ohne große Effekte, die eher auf die Imaginationskraft und den leisen Witz der Geschichte setzt. Charlotte Wilde liefert mit Geige und Gitarre die suggestive Live-Musik dazu und mischt sich mit differenzierten Klängen in den Erzählfluss ein. Michael Vogel und Florian Feisel als Berliner Verstärkung des zweiköpfigen Ensembles sind die Spieler, die die Puppen zum Leben erwecken.

Winzig klein und quirlig ist der sympathische Hobbit Bilbo mit seinem Wuschelkopf, der eigentlich lieber in seiner Höhle ein gemütliches Leben führen möchte, als es beim Drachen Smaug aufs Spiel zu setzen. Wenn eine ganze Schar von befreundeten Zwergen zu Besuch kommt, kann das ganz schön nervig werden.

Die beiden Spieler machen aus der kleinen Szene ein Kabinettstückchen: Da sausen die putzigen Wichte mit solchem Tempo durch Bilbos Wohntonne, dass man ihnen glatt die stattliche Zahl von 13 ungebetenen Gästen glauben könnte.

Aufdringliche pädagogische Botschaften bleiben außen vor. Vogel und Feisel springen virtuos vom Erzählgestus in die munteren Dialoge ihrer Figuren, schlüpfen in viele Rollen, bleiben aber immer auch die sichtbaren Partner ihrer bezaubernden Puppenkollegen. Für all den Zauber reichen ihnen ein schwarzer Raum und ein paar Scheinwerfer.