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Liebe Freunde des FITZ,

  • Herbst14 Galerie

denken mit Figuren heißt, von ihnen gedacht zu werden. Und wer sich, wie der österreichische Figurentheaterphilosoph Christoph Bochdansky, weit genug durch die Verästelung unserer leiblichen und geistigen Abhängigkeiten hangelt, merkt schnell, dass er im Haus seiner irdischen Existenz weder allein wohnt, noch der Hauptmieter ist. Das kennen Sie nicht? Sie sind der Chef? Dann warten Sie mal ab: »Der Dämon« zeigt sich offen am 9. Oktober. Von Figuren gedacht zu werden, heißt sagen zu können, was nicht auf der Zunge liegt. Das neunköpfige deutsch-polnische Ensemble um das Leipziger Figurentheater Wilde&Vogel und die Grupa Coincidentia schließt die Augen, öffnet den Blick weit und lässt sich vom Traum neu erfinden. »Faza REM Phase«, ihre theatrale Forschungsreise zwischen Wissenschaft und Phantasmagorie, feiert Premiere am 23. Oktober. Knapp zwei Wochen später lassen wir uns 500 Jahre in die Zeit zurückfallen, in der wir richtig in Bewegung gekommen sind. Meinhardt, Krauss und Feigl zeigen in ihrer unverwechselbaren Kombination aus Poesie, Choreographie und Digitalität, was knapp 30 Kilometer pro Sekunde mit unserem Selbstbild anstellen und wie wir mitten in dieser Explosion der Haltlosigkeit immer wieder heimisch werden. »Und plötzlich stand die Sonne still« startet am 6. November. Wer keinen Halt findet, erfindet ihn sich eben. Ankommen ist eine Sache des Selbstvertrauens. Welche unbequeme Wahrheit ließe sich nicht mit dem richtigen Paar Schuhe, einem Hauch Rouge und den richtigen Scheuklappen in den Griff kriegen? Singend, parlierend, kriechend, fliegend, grasend, träumend und – treffsicher bis zur Schmerzgrenze swingt sich das »LadiesNights«-Ensemble Materialtheater im Oktober und Dezember über den schwankenden Boden weiblicher Selbstvergewisserung. (Übrigens lügen Frauen auch zu Silvester aus ihrem Leben. Rechtzeitig vorbestellen!) Verwandt im Ansatz, (noch) unfassbar in der Form ist die zweite Produktion unserer »LadiesNights« vom Theaterkollektiv Gütesiegel Kultur* um Stefanie Oberhoff. »Night of delight« versammelt Künstlerinnen und Kulturschaffende aus Pakistan, der Freien Republik Kongo und Deutschland zu einem zehntägigen interdisziplinären Laboratorium. Worin dieses Experiment der Differenzen und Gemeinsamkeiten mündet – Diskurs, Performance, Kochshow – wer weiß? Sie wissen es ab dem 18. Dezember.

(Wir hingegen wissen, während Sie dieses lesen, hoffentlich schon, wer die nach langer Überzeugungsarbeit vom Stuttgarter Gemeinderat genehmigte 50%-Stelle der FITZ-Kunstvermittlung übernimmt. Augenblicklich laufen die Bewerbungsgespräche. Es geht voran.)