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Als Miss Marple in Stuttgart war

Das Figurentheater Fitz will künftig mit mehr Aktionen im öffentlichen Raum auf sich aufmerksam machen
erschienen am 01.08.2013 in Stuttgarter Nachrichten
von Armin Friedl

Der Besuch von Miss Marple in Stuttgart hat sich gelohnt: Zehn Aufführungen hat sie gegeben von „Die dritte Hand“ und alle waren ausverkauft. Das mag auch etwas der Örtlichkeit geschuldet sein: Erstmals wurde die Dachterrasse des museumspädagogischen Diensts und der Jugendkunstschule theatralisch bespielt, die sich mitten im Areal des Tagblattturms befindet und die nur maximal 60 Zuschauer zulässt. Ein Spiel, das freilich vom Ensemble „Die sieben Schwestern“ speziell für Örtlichkeiten wie diese konzipiert war.

Es zeigt aber generell einen Weg, den das Figurentheater Fitz künftig verstärkt gehen möchte: Theater im öffentlichen Raum. Einen Vorgeschmack dazu hat es bereits zuvor mit „Atempause“ von und mit Julika Mayer gegeben mitten auf der Königstraße. „Viele Leute sind stehen geblieben, auch viele, die eher zufällig vorbeigekommen sind. Und einige von diesen kamen ins Gespräch, das war eine tolle Atmosphäre“, erinnert sich die Fitz-Leiterin Katja Spiess: „Theater im öffentlichen Raum ist ein tolles Format, um zeigen zu können, was Figurentheater so alles kann“. Freilich, gibt Spiess zu, benötigt man dafür auch Künstler, die so etwas können und wollen, die allerdings auch schon entsprechende Erfahrungen gesammelt haben und so gut vorbereitet sind.

Das Fitz hat in dieser Saison aber das Interesse auf sich gelenkt mit dem Festival „Die animierte Stadt“, in dessen Rahmen „Atempause“ zu sehen war. Der Anlass war sowohl das 30-Jahr-Bestehens des Fitz als auch des Studiengangs Figurenspiel an der Stuttgarter Hochschule für Musik und darstellende Kunst. „Dass wir das zusammen gemacht haben, gab uns eine stärkere Präsenz“, so Spiess, „aber dieses Riesenprojekt hat uns auch an die Grenzen unserer Möglichkeiten gebracht“.

Ebenso hat sich bewährt, bestimmte Erscheinungsformen des Figurentheaters in Reihen zu bündeln. Spiess: „Besonders gut hat sich die Reihe mit der bildenden Kunst entwickelt oder die Shakespeare-Helden. Dass wir hier drei Veranstaltungen hintereinander angeboten haben, hat mehr Interessierte angesprochen als entsprechende Einzelveranstaltungen“. Lediglich die Kasper-Reihe „Kasper strikes back“ habe etwas Anlauf benötigt. Da bestehen offensichtlich noch einige Vorurteile.

Etwas Ausdauer gehört also auch dazu, damit ein gutes Stück sein Publikum findet. „Unsere Produktion ,Ernesto Hase‘ hat sich lange schwer getan“, so Spiess“: „schließlich gab es kein Buch dazu, der Titel war ebenso unbekannt“. Heute zählt diese Produktion zu den Publikumslieblingen.

Eine Baustelle ist noch das Theater für die Allerkleinsten. Spiess: „Es reicht heute nicht mehr, einfach Informationsmaterial zu versenden. Wir brauchen da jemand, der da ganz spezifische Kenntnisse hat und diese kontinuierlich einsetzt, der dauerhaft vermitteln kann. Das ist mehr als ein Theaterpädagoge.