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Auch Kasperle muss sterben

Figurentheater “Reanimation”von Michael Speer feiert Premiere
erschienen am 13.05.2011 in Stuttgarter Zeitung
von Katharina Sorg

Der lethargische König aus dem Kasperletheater will nicht mehr auf die Bühne, die Hundehandpuppe Tommy ist Mafiaboss und Handlanger in einem, und die unheimliche Maske Rolf schafft es nur zu kurzen Auftritten. Im Figurentheater von Michael Speer tummelnsich allerlei kuriose Gestalten. Zu Beginn des Stückes “Reanimation” hängen sienoch leblos an Haken. Keine der Figuren wurde für das Stück entworfen, sie alle wurden für andere Produktionen erdacht und erfahren nun eine Wiederbelebung. Unterschiedlich hohe, weiße Podeste dienen im Atelierhaus Schellenkönig als Bühne für Puppen und Spieler. Die unterschiedlichen Geschichten haben sich Speer und ein Regieteam zu Masken und Marionetten ausgedacht. In der Mafiageschichte muss ein Bote ein Paket abholen und begegnet allerlei komischen Gestalten, in der Geschichte über Lore, die Puppenmacherin,entspinnt sich eine Familiengeschichte. Die kurzen Szenen sind unterhaltend, und es ist sehenswert, wie Speer und sein Mitspieler Marius Kob den Figuren mit ihren Stimmen Charakter verleihen. So wird aus einer Marionette ein ängstlicher Bote, aus einer Kasperlefigur, die nur noch aus einem Kopf besteht, ein überdrehter Zeitgenosse, und eine überdimensionierte Puppe verwandelt sich zum einfältigen Riesen. Immer wieder steigen Speer und Kob aus dem Stück aus, grinsen sich schelmisch zu oder treten in den Hintergrund und werden von Spielern zu Sprechern. Sie diskutieren, welche Puppe als Nächstes einen Auftritt verdient hätte und lassen das Publikum an ihrer Auswahl teilhaben. Der Auftritt endet für die Figuren stets mit dem Tod, nur der Spieler haucht ihnen Leben ein. Diese Tatsache wird mit morbidem Witz überzeichnet. Alle Figuren landen in einer Art Mixer unter dem Podest, nur das ertönende Geräusch lässt auf ihr Schicksal schließen. Ihr Abgang ist wie das Stück: kurzweilig und ausgefallen..