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Auf dem Weg zum Wolf

erschienen am 09.04.2019 in StZN
von Swantje Kubillus

Es war einmal ein Märchen. Ganz gespannt sitzen die Kinder auf den Bänken und lauschen dem, was auf der Bühne geschieht. Maren Kaun und Christian Glötzner erzählen am Sonntagnachmittag im Figurentheater Fitz nämlich die Geschichte vom „Rotkäppchen“, dem kleinen Mädchen, das der Großmutter Kuchen und Wein bringen sollte und auf ihrem Weg im Wald bekanntlich dem bösen Wolf begegnete.

Die Darsteller sitzen vor einer weißen Leinwand auf Hockern und singen und spielen dazu abwechselnd ganz unterschiedliche Musikinstrumente, etwa die Ukulele, die Trompete oder eine Singende Säge, Letztere als Symbol für den Wolf. Auf die Leinwand und auf darüber gelegte Papierrollen werden während des Spiels neu entstehende Illustrationen des iranischen Künstlers Mehrdad Zaeri projiziert, die den Verlauf der Geschichte begleiten. Er zeichnet Blumen, den Weg durch das Dorf oder auch eine große Wiese, auf der kleine Wölfchen schlafen. Dort träumen sie dann von gelben Butterblumen, und es schnarcht und schmatzt auf der Bühne dazu genüsslich.

Einfühlsam und liebevoll spielen und zeigen die beiden Protagonisten die Reise des Rotkäppchens, das anfangs gar nicht zur miefigen Oma will, das Treffen mit dem bösen Wolf und das große Auffressen. Dann erzählen die Darsteller von vielen Omas und Opas, die alle mal ganz besondere Dinge gemacht haben: „Meine Oma sammelte leere Eiscremedosen“, sagt Maren Kaun, „um darin Blumensamen zu sammeln“, und dann sagt sie ein anderes Mal: „Mein Opa hat Aale gesammelt, und meine Oma hat sie eingelegt.“ Jede Oma und jeder Opa wird so zu etwas Besonderem.

Als Rotkäppchen dann schließlich im Haus der Großmutter ankommt und dort im Bett den bösen Wolf antrifft, können die Kinder im Theaterraum mitsprechen: „Großmutter, warum hast du so große Ohren?“, . . . und es nimmt seinen Lauf. Gut, dass da im Theater die Eltern dabei sind, an die man sich kuscheln kann. Am Ende gibt es den wohlverdienten Kuchen mit der Oma, denn die ist doch nicht so übel, wie man anfangs vielleicht dachte.