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Aus der Fruchtblase heraus

Iris Meinhardts „Prolog" als gelungenes Experiment im Fitz
erschienen am 14.06.2010 in Ludwigsburger Kreiszeitung
von Arnim Bauer

Stuttgart – (aba) „Prolog“ nennt Iris Meinhardt ihre Produktion, die sie im Fitz zeigt. Ein Prolog aus dem Fruchtwasser, eine pränatale Annäherung an das Leben, das radikal die Möglichkeiten des modernen Figurentheaters auslotet.

Mal sehr konkret und in persona auf der Bühne stehend, dann wieder aus in einem bläulichen Kokon, einer Fruchtblase heraus spielend, mal im Monolog, mal im Dialog mit einem Spiegelbild, so nähert sich Iris Meinhardt dem, was da auf ihre Figur zukommt, dem Leben. Ängste, auch Hoffnungen, vermutete Erfahrungen, das Kaleidoskop der Befindlichkeiten und der Erkenntnisse ist weit gefächert.

Aber das Spiel geht tiefer als die Worte. Mit der Musik des Jazzbassisten Thorsten Meinhardt sphärisch unterlegt frönt Iris Meinhardt zusammen mit Katharina Muschiol oder alternierend mit Antje Töpfer, die das Puppenspiel besorgen, ihrem Hauptthema, der Selbstsuche und Selbstfindung des Menschen. Im weiteren Sinne sind auch viele andere Produktionen der 1977 geborenen Figurentheaterspielerin derartigen Themen gewidmet. Obwohl der Zuschauer mit so manchem Fragezeichen konfrontiert wird, obwohl auch seine ganze Konzentration auf das auch im Tempo sehr wechselnde Geschehen gefordert ist, ist dieses Stück ein ungemein poetisch, vielschichtig und vielsagend, ohne dass verbal alles gesagt wird, was zu sehen und zu erfühlen ist.

Dabei lotet Meinhardt auch ganz im Stile eines Laborexperimentes aus, welche Chancen ihr das Genre bietet und im Zweifelsfall, so der Eindruck, hat sie sich eher für das gerade noch Machbare, für die komplexeste Versuchsanordnung, entschieden. Ein lohnendes Risiko, denn das Experiment ist insgesamt gelungen.