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Brillantfeuerwerk an Kreativität

"Die Halsbandaffaire" erntete viel Applaus
erschienen am 15.03.2010 in STRAUBINGER TAGBLATT
von Wolf Stocker

„Man wird zugeben müsse, dass das Ganze (der Großkophta) recht eigentlich für die Bühne gedacht ist, … nicht bloß von sittlicher, sondern auch von großer historischer Bedeutung (ist); das Faktum geht der Französischen Revolution unmittelbar voran und ist gewissermaßen das Fundament. So äußert sich Goethe über seine Komödie „Die Halsbandaffäre“, die seitdem selten und ohne viel Erfolg aufgeführt wurde. Umso bewundernswerter ist die Leistung der Künstler um Stefanie Oberhoff und Lambert Mousseka, die aus dieser eher belanglosen Komödie ein verwirrendes Figurentheater-Spiel um betrogene Betrüger, um Hochstapler und um Manipulation machen.

Die Handlung ist schnell erzählt: Eine Gräfin will durch eine Betrügerei (es geht um umgerechnet 20 Millionen) ihr durch Brandstiftung vernichtetes Vermögen wiedererlangen. Dazu verbündet sie sich mit dem Magier Cagliostro, der zaubern kann, den Kaffee des ewigen Lebens erfunden hat und dem es gelungen ist gold im Labor zu machen. Und nun werden in einem verwirrenden Ränkespiel die Mächtigen vorgeführt. Ein Kardinal wird in seiner Geilheit gezeigt und die Königin Marie Antoinette in ihrer Selbstgefälligkeit. Dass am Ende die ganze Intrige platzt, liegt im Wesen der Komödie. Letztendlich ein eher banaler Stoff, der allein durch seine Zubereitung besticht. Mit Handpuppen bis zur Lebensgröße und mit personalem Spiel und voller witziger Ideen wirbeln die Spieler über die Bühne und brennen ihr Brillantfeuerwerk ab. Der Zauberer liefert Mitmach-Theater vom Feinsten ab, bei eine Seance „legen alle die Hände auf den Tisch“, Puppen- Menschen- und Atrappenhände, der ganze Intrigenplan wird in einem bezaubernden Planspiel auf einem Tisch erläutert, um dabei auch gleich klarzumachen, dass eine gute Intrige dem Staat nicht schadet.

Mit wunderbar natürlich gesprochenen Texten wird ganz nebenbei die Verwandlungsfähigkeit Cagliostros erklärt: Kleopatra – Äneas-Jesus und Goethe als „Heilpraktiker der Deutschen“ ironisiert. Gelegentlich fragt man sich während der Vorstellung wozu eigentlich noch die Puppen und Figuren notwendig sind, da doch die Schauspieler so überzeugend und witzig den Bühnenraum füllen. Wobei die Frage sofort beantwortet wird mit den Szenen in denen Cagliostro (Großkophta) in seiner Alchimistenküche zaubert, panscht, plaudert und Pannen überspielt und die meisterhaft geführten Puppen in Dimensionen führen, die das personale Spiel nicht erreichen kann.

Lang anhaltender Applaus des vollen Hauses für eine Vorstellung, die zu den Glanzpunkten des an Höhepunkten reichen Festivals gehört.