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Das Figurentheater Fitz zeigt eine Performance mit Objekten

erschienen am 21.01.2012 in Stuttgarter Nachrichten
von Horst Lohr

Der Abend hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck: Geschickt entführt die wortlose Aufführung in sinnlich-rätselhafte Bild-und Klangwelten des Begehrens (Komposition: Morgan Daguenet). Andererseits täte der Produktion statt manch körpersprachlich formulierter Bedeutungsschwere eine Prise Ironie gut.

„Titania tanzt für einen Esel“ nennen Antje Töpfer (Ausstattung und Spiel) und Anna Peschice (Regie und Spiel) ihre „Performance mit Objekten“. Nach Motiven von Shakespeares „Sommernachtstraum“ und Charles Perraults Märchen „Die Eselshaut“ arrangieren sie die Begegnung zweier unterschiedlicher Frauen: Die Elfenkönigin Titania und eine Prinzessin auf der Flucht vor der Ehe mit dem eigenen Vater versuchen, dem Schatten männlicher Begehrlichkeit zu entkommen. Dabei entdecken sie ihre Lust an der eigenen Lust. Das Ringen der beiden um selbstbestimmte Erotik wird gelenkt von dem schwedischen Spieler Martin Christensen. Er entwarf auch das Bühnenbild: Sehenswert erbärmliche Restskulpturen von Shakespeares Märchenwald mit den Stümpfen zweier Birken, Teppichresten aus Kunstrasen und einem Hügel gegerbter Tierhäute als Symbole animalischer Triebe. Die Prinzessin (Antje Töpfer) entfesselt sich von ihrer Hässlichkeit aus Tier- hautballen und probt mit ihnen ihre Fähigkeit zur Erotik. Anna Peschkes Titania befreit sich von ihrem Riesenmantel aus steinharter Eselshaut – dem Bild männlicher Dominanz. Doch sie vermag sich lediglich in ein gestyltes Aerobic-Blondchen zu verwandeln.