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„Das Wunder von Bamba“ im Fitz uraufgeführt

erschienen am 28.04.2006 in Stuttgarter Zeitung

Am Anfang ist die Pantomime: mit dem Spiel der Hände, lautmalerischem Gemurmel, flinken Körperbewegungen, wenigen Worten und einem Suppenschöpfer erschafft Alberto Garcia Sanchez in Minuten die Welt. In dieser Welt, die auf der von Stefanie Oberhoff entworfenen Bühne lediglich aus fünf Pappsäulen und weißen Papierschnipseln besteht, entstehen die Stadt Bamba und deren Bewohner, von den vier Akteuren – außer Sanchez noch Sigrun Kilger, Hartmut Liebsch und Annette Scheibler – ebenfalls nur durch Erzählung, Körperausdruck, wenige Gegenstände und den Appell an die Vorstellungskraft kreiert. Und in Bamba wird ein Säugling in einem Kohlfeld gefunden – Toto der Gute genannt, der Wunder vollbringen kann.

Ja, die Geschichte kommt einem bekannt vor: „Das Wunder von Bamba“, das neue Stück des Materialtheaters und des Theaters des Lachens Berlin, hat dieselbe Vorlage wie Vittorio de Sicas Filmkunstklassiker „Das Wunder von Mailand“. Auch die von der Berliner Regisseurin und Puppenspielerin Astrid Griesbach inszenierte Produktion, die jetzt im Zentrum für Figurentheater (Fitz) uraufgeführt worden ist, basiert auf einer Novelle des Schriftstellers Cesare Zavattini.

Das Quartett vom Stuttgarter Materialtheater-Ensemble mag kein Puppenspiel, wie Sigrun Kilger im Stück en passant erklärt. Auch die verwendeten Materialien sind mehr als sparsam: Ein grünes Papier wird zu einem Kohlkopf und eben dieses Papier, um einen Hut ergänzt und von Scheibler und Liebsch auf Knien rutschend geführt, verwandelt sich in das Kind Toto. Toto, von der alten Lolotta liebevoll aufgezogen, wird als junger Mann zum Organisator und guten Geist einer Favela. Als dort Öl gefunden wird, sollen die Bewohner, Menschen am Rand der Gesellschaft, aus ihrer Heimstatt vertrieben werden. Aber es gibt ja noch Toto und seine magische Fähigkeit, Wünsche zu erfüllen. (…)

Sehr gelungen ist, wie die Akteure das Spiel brechen. Mal sind sie Teilnehmer, dann steigen sie aus der Geschichte aus, werden zu Erzählern, die auch mal singen oder Tee trinken. Wer sich auf dieses arme Theater der wenigen Mittel einlassen kann, erfährt auf spielerische Art etwas über die subversive Kraft der Fantasie.