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Der Ball ist rund – na und?!

erschienen am 01.06.2006 in kicker-online
von Andi Niklaus

Der Ball ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann! Das Denken musste die Richtung sofort ändern, denn nach den „Rooooneey“ und „Come on England“-Gesängen auf dem Stuttgarter Schlossplatz musste ich mich im „FITZ“, dem Zentrum für Figurentheater, sehr schnell auf ein neues Spiel einstellen.
Von der Fußball-Weltbühne auf die Theaterbühne gewechselt: Das Figurentheater in Stuttgart.Von der Fußball-Weltbühne auf die Theaterbühne gewechselt, konnte man den Ball nun getrost etwas flacher halten, der Ansturm hielt sich in Grenzen. Keine FIFA-Bediensteten und -Anweisungen, keine Security, kein Gedränge, keine WM-Trikots-tragenden Menschen, sondern gediegene Stimmung rund um den Ball. Der war, wie sollte es anders sein, die Hauptfigur auch in diesem Spiel. 6 mal 15 Minuten waren angesagt, die in Fußball-Echtzeit in 2 mal 45 Minuten mit 15 Minuten Pause gespielt wurden.

„Könnten sie bitte kommen, die Partie wird gleich angepfiffen“, wurde ich von einer freundlichen jungen Dame auf das „Spielfeld“ gedrängt und war schon mitten im Spiel. Nach einer verhaltenen Anfangsphase wurde es nach einer knappen Viertelstunde so richtig furios. „Ich war in Hochform“, betonte Uwe-Peter Spinner immer wieder und ließ sein „Endspiel“ hautnah miterleben. Danach ging der Spielfluss bis zur Pause etwas verloren. Doch die Trainer schienen die richtigen Worte in der Kabine gewählt zu haben, „der springende Punkt“ wurde exakt getroffen. „Wenns hart auf hart kommt, dann kommt es hart“, aber „ich habe mich gut aus der Atmosphäre gezogen“.

Ich war wieder in der Fußballer-Denke angekommen, und erfuhr zudem, was die Welt zusammenhält – der Ball. Auch in der Folge lief das Leder gut, denn der „Ball war nun rund“. Die Akteure hatten bei hohen Temperaturen alles gegeben, die Schlussphase der Partie sorgte daher für keine weiteren Höhepunkte. Die insgesamt durchaus ansehnliche Begegnung wurde pünktlich abgepfiffen.

Da nach dem Spiel bekanntlich ja vor dem Spiel ist, konnte man noch erfahren, dass die letzten beiden Aufführungen nicht in Konkurrenz zum realen Fußball stehen werden. Allerdings wird das kaum einen der Anwesenden wirklich tangiert haben, denn einen Bezug zum „echten“ Fußball dürften – nimmt man die Halbzeit-Fachsimpeleien als Maßstab – wohl die wenigsten Theaterfans haben. „Der Fußball und die WM interessieren mich nicht“ war einer Frau zu entlocken, die bis dato noch kein Endrundenspiel verfolgt hat. „Zu viel Gegröle und Geschreie“, ist das Hauptargument, ihr Mann allerdings darf seit 40 Jahren mit einer VfB-Dauerkarte seinem Hobby frönen. „Ich wollte Abstand gewinnen“, nennt sie als Grund, wieso sie als Fußball-Uninteressierte den Weg zu „Der Ball ist rund“ gefunden hatte.

Eine willkommene Abwechslung war es allemal, aber Abstand vom runden Leder konnte man an diesem Abend wahrlich nicht gewinnen!