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Der leere Raum

erschienen am 01.10.2013 in Die Junge Bühne

Die letzte theatrale Veranstaltung des unidram 2013 ist R.O.O.M. (Re Organisation Of Material) der Gruppe meinhardt & krauss aus Stuttgart. Der passende Ort dafür ist das T-Werk, welches auch in den Tagen zuvor schon Heimat für die multimedialen Performances des Festivals war. Eine Frau in einem leeren Raum + Leute, die ihr dabei zusehen = die Definition von Theater auf ihrem kleinsten Nenner. Die Bühne ist ein Ort des Geschichtenerzählens. Also los geht’s! Und schon ist man drin in diesem Zimmer der unbegrenzten (Un-)Möglichkeiten. Schon wandert man mit dieser unbekannten weißen Frau und ihrem kleinen unheimlichen Puppenbegleiter durch sämtliche Welten. Wo eben noch Schnee und Wind durch die Fenster pfiffen, tobt vor diesen jetzt das offene Meer. Grade fiel das Glas auf den Tisch, nun taucht die Frau mit ihrem Gesicht in diesen ein als wäre es eine Wasseroberfläche. R.O.O.M. verzaubert mit Videobeamern, die seltsamerweise keine Schatten werfen, und Effekten aus der Trickkiste von David Copperfield. Das Theater beginnt mit der Frau und ihrer Geschichte, es erwächst daraus ein audiovisuelles Hörspiel. Virtuelles Illusionstheater als Hinterfragung der Wirklichkeit. Reality is maybe not what it seems. Einige der (Alp-)Traumbilder an diesem Abend kommen einem seltsam bekannt vor. Sie sind wohl direkt der eigenen kleinen Whitebox entsprungen, die man fest verschlossen unter dem Herzen trägt, zum Schutz gegen die Wellen da draußen, meinhardt & krauss kreieren ein Atlantis: ein versunkenes, geheimnisvolles, mächtiges und schönes mythisches Reich. Wir selbst sind nur Zuschauer, dürfen nur einen Blick darauf werden, können nicht daran teilhaben. Dazu müssen wir uns schon unser eigenes leeres Zimmer bauen – oder besser: es behalten. Und bewahren gegen die Welt und gegen den Lauf der Zeit. Und nicht vergessen. Und ab und zu mal rein da und nach dem Rechten sehen und sie aushalten, die Stille dort. Und aufs Innigste zu wünschen. Sterben – schlafen – schlafen. Vielleicht auch träumen! Ja, da liegts…