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Der unsterbliche Mythos

Tristan und Isolde im Fitz
erschienen am 01.01.2004 in Stuttgarter Nachrichten
von Horst Lohr

Der unsterbliche Mythos ihrer grenzen losen Liebe auf der Miniaturbühne eines Kaspertheater-Kastens? Und kein einziger sehnsuchtstrunkener Wagner- Ton zu hören, stattdessen Lou Reed mit einem Herz-Schmerz-Song? Geht das?

Es geht – und bereitet großes Vergnügen, wenn Könner wie die Puppenspieler Friederike Krahl und Pierre Schäfer vom Berliner Theater Handgemenge, koproduziert vom Fitz und inszeniert von Tristan Vogt, Hand an die Geschichte von Tristan und Isolde legen und das Versepos des Gottfried von Straßburg ironisch kommentieren. Unglaublich ist die Vielzahl verschiedener Figuren, Charaktere und Situationen, welche die bei den Spieler mit Handpuppen und ihren Stimmen herbeizitieren.

Eine Frau Minne im Häkelpulli und ihr steifer Gesprächspartner, der Herr Zufall, erzählen ihre Version der Liebes geschichte und lenken das Geschehen mit witzigen Anweisungen. Tristans Geburt, Kindheit und Jugend laufen im Zeitraffer als köstliches Spiel mit bemal ten Holzfigürchen ab. Leer sind deren Gesichter, und mechanisch irren sie he rum, umgeben von einer Aura komischer Verlogenheit, die sie verbindet.

Und die sprichwörtliche Leidenschaft zwischen den beiden Liebenden? Entpuppt sich als dröge Lust am Kitzel des Ehebruchs.