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Dialog mit dem Teufel

Christoph Bochdansky aus Wien zeigt zum 60. Geburtstag des halleschen Puppentheaters „Der Dämon".
erschienen am 03.05.2014 in Mitteldeutsche Zeitung
von Joachim Lange

HALLE/MZ – Wenn im Puppentheater ein Mann ganz allein die Bühne betritt, dann ist schon klar, dass er nicht allein ist. Da wartet garantiert irgendwo mindestens ein Puppendoppelgänger. So ist es natürlich auch beim Gastspiel des Wieners Christoph Bochdansky bei der in Halle laufenden Festwoche.

Aber zunächst versucht er, gegen eine dröhnende Musik anzureden. Oder sich auf sie einzulassen. Bis er zum Gaudi des Publikums zuckend von ihr beherrscht wird. Dann schält sich eine Ohrwurm-Zeile heraus: „Feel the devil Walking next to me“. Auf die steigt er ein, sie ist sein Thema.

Diabolischer Glatzkopf

Wir erfahren, dass er sich schon immer vom Teufel verfolgt fühlt. Und plötzlich hat sich dieser Teufel höchstpersönlich über den Spieler gestülpt. Ein diabolischer Glatzkopf mit beweglichem Unterkiefer und zwei Kulleraugen, von denen jedes machen kann, was es will.

Unter dem weiten Gewand und in den Händen mit den teuflisch langen Fingern mag Bochdansky stecken – doch dieser Dämon hat Puppen-Charisma, sagt selbst, dass er jetzt in diesen Menschen gefahren ist und auch so aussehen könnte wie er. Wenn er wollte. Will er aber nicht, wo er sich doch viel schöner findet. Er leugnet überhaupt, der Teufel zu sein. Immerhin gibt er zu, dass er aus derselben Region komme, und man sich kenne. Dann berichtet er, wie er mal in ein Blatt oder in einen Apfel gefahren war. So erfahren wir von der Ansprache eines gefallenen Apfels an seine Mitäpfel, in der er erklärt, wie blöd es ist, einfach runterzufallen und zu verfaulen. Dann lieber hängen. Natürlich ist dieser Dämon wie sein Geistesbruder Mephisto auf eine Menschen-Seele, auf eines Menschen Herz scharf. Der müsste es ihm allerdings freiwillig schenken. Dabei entspinnt sich ein artistischer Dialog zwischen dem Spieler-Menschen und dem Puppen-Dämon. Der ist zwar nicht verwundert, dass er das Herz nicht ohne weiteres bekommt. Aber auch sprachlos, als ein Haus als Preis verlangt wird.

Zwischendurch erzählt Bochdanksy noch auf einer kleinen, zwischen grünem Gestänge hervorgezauberten Minibühne mit Minidoppelgängern von sich selbst und dem Dämon, wie es einst in der Kindheit mitten in der Natur war. Und der Dämon wiederum davon, wie er auf den rechten Moment gewartet habe, um mit dem Grund dafür herauszurücken, warum er diesen lebendigen Menschen so beharrlich verfolgt.

Hintersinn lugt hervor

So witzig das Ganze daher kommt, so faustisch oder mephistophelisch lugt natürlich der Hintersinn über die menschliche Natur und ihre Anfechtung hinter diesem Dialog zwischen Spieler und Puppe hervor. Selbst wenn das manchmal im Lachen über den Situationswitz untergehen mag.

Die Regie für diese Einmann- bzw. Mehrpuppenshow hat Peter Rinderknecht geführt. Das Publikum war hochzufrieden – auch, weil der Teufel diesmal verliert.