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Die Fülle der Ichs

Fitz: Stefanie Oberhoff spielt in 'Konterfei' Stefanie Oberhoff
erschienen am 29.01.2005 in Stuttgarter Nachrichten
von Matthias C. Müller

Stefanie Oberhoff zeigt mit ihrem brillant schillernden „Konterfei“, von Christoph Bochdansky im Fitz inszeniert, was es heißt, sich zu suchen und viele zu finden. Zunächst dekonstruiert die Soloschauspielerin die Vorstellung von der Bühne, auf der die Bretter die Welt bedeuten, dadurch, dass im Grunde keine Bühne da ist. Den Zuschauern gegenüber, im Hintergrund, befindet sich nur eine drei Meter hohe Wand aus Kartonagen, rechts daneben, mit dem Gerippe eines Kleiderständers, ein Gerätemensch, der als Kopf einen Computerbildschirm trägt.

Die längste Zeit des Abends ist die Schauspielerin Stefanie Oberhoff, die eine gewisse Stefanie Oberhoff zu spielen vorgibt, gar nicht zu sehen, dennoch ist sie präsent: in den Fragen, die sie hinter der Szene an das Publikum richtet, das auch antwortet, in den Stimmen, die sie imitiert, in den Marionetten, mit denen sie spielt, in ihren computergenerierten Konterfeis, die auf drei Bildschirmen erscheinen, auch auf comic­bunten Bildern, die hinter den nach vorn sinkenden Kartonagen sichtbar werden; präsent ist sie schließlich sogar, man glaubt es kaum, als sie selbst, „live and in Person“.

Gerade in der Fülle der dargestellten Ichs stellt sich dem Zuschauer die Frage: Wer ist Stefanie Oberhoff wirklich – und damit indirekt: Wer bin ich? Mit konstanter Zaghaftigkeit zeigt die Schauspielerin die Schwierigkeit, auf die Bühne der Welt zu kommen. Und beweist, dass eine einzige Person die Plattform für ein großes Ensembletheater sein kann.