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Die Puppen haben sich ein Stück weit befreit

Das neue Programm des Stuttgarter Figurentheaters Fitz verspricht Spannendes und Überraschendes
erschienen am 18.09.2013 in Ludwigsburger Kreiszeitung
von Arnim Bauer

STUTTGART. Die Entwicklung ist eindeutig: Das Figurentheater besinnt sich auf seine Wurzeln. Dominierten in den letzten Jahren oftmals experimentelle Spielformen, Materialtheater, Mischformen der Performance und die Suche nach einer scheinbar grenzenlosen Erweiterung der Möglichkeiten und Spielformen, besinnen sich immer mehr Künstler dieses lebendigen Genres zurück auf ihr ursprüngliches Metier, die Puppen. Katja Spiess und Christian Bollow, die Macher des Fitz, sehen diese Entwicklung deutlich.

Und die ist im Sinne des Meisters Albrecht Roser, der mit seinen Puppen ja erst das Spiel für Erwachsene begründete und auch maßgeblich daran beteiligt war, dass Stuttgart mit dem Fitz und dem Studiengang Figurentheater zu einem Zentrum dieser Kunstart wurde.

Aber Katja Spiess zeigt bei der Vorstellung des Spielplans auch auf, dass sich die Puppen ein Stück befreit haben. Waren Rosers Clown Gustaf und sein Ensemble noch sehr menschliche oder manchmal tierische Figuren, so sind heute allerhand Fantasiefiguren auf den Bühnen zu erleben. Dennoch ist der 2011 verstorbene Roser unvergessen und seine Einflüsse sind bis heute spürbar. Nicht umsonst werden drei seiner Schüler, selbst Institutionen des Figurentheaters, am 14. November im Fitz die Premiere einer Hommage an den Meister feiern. Therese Böhm vom Fab-Theater, Frank Söhnle vom Figurentheater Tübingen und Raphael Mürle spielen „Wunderkammer“ und man darf auf die Zusammenarbeit dieser drei Größen gespannt sein.

Los geht es mit den Premieren im Erwachsenenprogramm am 26. September mit der Koproduktion mit dem Leipziger Westflü-gel-Theater „Ach Wad“ von Stefanie Oberhoff und dem Wiener Off-Theater-Star Christoph Boch-dansky. Eine sehr freie Version nach Sir Arthur Conan-Doyles „Der Hund von Baskerville“, in dem eine Nymphe und ein Faun die Hauptrollen spielen. Im Kindertheater kommt als erstes am 26. Oktober ein „Paradestück für ein aufregendes, eigensinniges Leben“ so Christian Bollow, zur Uraufführung. „Zäpfel pfeift drauf“ heißt das Anti-Pinocchio-Stück vom Zikade Theater.

Vernetzung heißt eines der Arbeitsfelder, die Katja Spiess herausstellt. Sie sieht dabei drei Ebenen. Zum Ersten die institutionelle Vernetzung mit anderen Theatern, gerade in der internationalen Figurenszene von immenser Bedeutung. Zum Zweiten die Vernetzung in Fragen der Kulturvermittlung, denn oft sind die meist kleinen, finanziell eher dürftig ausgestatteten Bühnen darauf angewiesen, in diesem Bereich mit anderen Institutionen zusammenzuarbeiten. Zum Dritten geht es um die Vernetzung im Programmformat, die Bündelung von Themenschwerpunkten, wie es in dieser Spielzeit mit „Märchen für Erwachsene“ der Fall sein soll.

Wie immer darf man auf so manches gespannt sein, ein Hauptcharakterzug des Figurentheaters sind nach wie vor seine unbegrenzten Möglichkeiten, die immer wieder Spannendes und Überraschendes hervorbringen. Beim Festival „Imaginale“ werden zumdem internationale Spitzenkünstler zu Gast sein.

Ebenso freut man sich auf zwei Highlights. Am 5. Und 6. Oktober wird das kongolesische Ensemble Espato Masolo gastieren und am 16. und 17. Oktober ist der US-Künstler Eric Bass zu Gast, der seine Herbstporträts aus den 80er Jahren auf Tournee gebracht hat. Dem Publikum jedenfalls gefällt das bunte Treiben im Fitz. Die Auslastung liegt stabil bei 75 Prozent, über 300 Vorstellungen wurden 2012 gespielt