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Die Zärtlichkeit geht ein wenig verloren

erscheinen am 01.01.1970

„Heimat-Museum“ im Fitz: Suzan Smadi überdreht die Skurrilität bei Lenz

Auf Siegfried Lenz und seine masurischen Geschichten in „So zärtlich war Suleyken“ beruft sich die Figurenspielerin Suzan Smadi, die im Fitz ihr Solostück „Heimat-Museum“ vorstellte. Dabei schlüpft sie selbst in die Rolle der Erzählerin, die als Museumsführerin durch das Leben im kleinen Dorf wandelt. Wie bei Lenz kommen dabei vor allem sehr eigenwillige und oftmals skurrile Menschen vor, von denen die Darstellerin berichtet und denen sie in Stabpuppen von Veronika Nadj auch Gestalt gibt.

Immer wieder neu stellt sie diese Figuren zusammen und erzählt dazu die Geschichten aus dem kleinen Dorf, wobei sie sich von ihrem Ideengeber Lenz und seinen masurischen Geschichten auch ein Stück weit absetzt. Zum einen verzichtet sie weitgehend auf das Zärtliche, das Lenz so betont, ihre Erzählungen sind sprachlich etwas derber als die bei Lenz, was dazu führt, dass die Distanz größer wird, das Museale der Geschichten in den Vordergrund rückt.

Zum anderen geht sie auch in der Skurrilität noch einen Schritt weiter als Lenz. Da werden dann die Kinder der Jadwiga Plock, die diese auch als Witwe weiter munter in die Welt setzt, zu Zwiebeln, auch Gemüse bekommt die Funktion von Figuren, und das Nonplusultra im Mittelpunkt der Erzählung ist der Topf mit Sauerkraut.

Ein ländliches Sittengemälde aus dem Reich der reichen Fantasie – zügig, ja, oft fast hektisch erzählt und auf immer neue Spitzen des Absurden getrieben.