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Diese Bestie hat immer Hunger

erschienen am 23.04.2011 in Stuttgarter Zeitung

Nachwuchs Das Fitz lässt zum Start des Festivals Newz „Wölfe“ heulen. Von Adrienne Braun
eine Eigenschaften: 38 Grad Körpertemperatur, ein Gewicht von achtzig Kilogramm, eine Länge von 120 Zentimetern – und 42 Zähne. Dieses Gebiss braucht er, denn Schafe und Menschenkinder wollen sorgfältig durchgekaut sein. Der Wolf ist ein wildes Tier, als böse Bestie galt er über Jahrhunderte und hat auch in Märchen und Mythen nicht den besten Ruf. Rotkäppchen hat er verschlungen – und wer vom Werwolf gebissen wird, wird selbst zur Bestie. Die Gruppe K. hat sich nun des Tiers angenommen und ihm ein Theaterstück gewidmet Im Fitz hatte „Wölfe“ Premiere zum Auftakt des Festivals Newz, das dem Figurenspielernach- wuchs gewidmet ist.

Es heult erbärmlich – vom Band. Maik Evers, Katharina Muschiol und Stefan Wenzel sitzen auf der Bühne, einer hat ein Fell umgehängt, der andere zeigt ein kleines Wölfchen als Handpuppe in Aktion. Unter der Regie von Michael Vogel kreisen die drei in freier Assoziation um das Thema, fletschen das Maul, kriechen miteinander unter ein Wolfsfell und heulen den Mond an oder erzählen von den „Auserkorenen ihres Hungers“, denn der Hunger der Wölfe ist „ungeheuerlich“. Informativ ist das nicht – und erst recht kein überzeugendes Thema für ein abendfüllendes Stück, von der Zuschauer etwas mitnehmen könnte. Aber in den Diplom-Inszenierungen des Stuttgarter Studiengangs Figurentheater geht es ja eher darum, dass die Akteure ihr Können zeigen. Deshalb verhandeln die drei immer wieder das Theater selbst: Sie spielen mit- und gegeneinander, blödeln, brechen und ironisieren die Situation, singen „Ein Männlein steht im Walde“ als Punkrocknummer, musizieren mit Gitarre und Keyboard. Auch formal folgt „Wölfe“ keiner klaren Linie, sondern ist mal Handpuppentheater, mal ein Spiel mit dem eigenen Körper, dann wieder wird das Licht ausgeschaltet und die Konturen leuchten magisch in Rot. Das Repertoire von Evers, Muschiol und Wenzel ist breit, und wenn sie künftig auch einen Stoff finden, bei dem sie etwas zu erzählen haben, darf man auf ihre Produktionen gespanntsein.

Bei Newz steht am 4. Mai die nächste Produktion auf dem Spielplan: „Insektatrium“, ein Stück, das ebenfalls im Stuttgarter Studiengang Figurentheater entstanden ist und eine Komposition aus Geräuschen und Klängen darstellt mit Kreaturen zwischen Mensch und Insekt. Bis zum 8. Mai sind dann noch Projekte und Stücke zu sehen von Figurenspielern aus Bern, Berlin und Leipzig.