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Doppelt

Oberhoffs » Konterfei «
erschienen am 01.02.2005 in Kultur
von Adrienne Braun

Irgendwann fragt man sich ja schon: Wie sieht diese Frau eigentlich aus? Werden wir sieüberhaupt je zu sehen bekommen, oder will sie den gesamten Abend hinter dieser schäbigen Wand aus Kartons versteckt bleiben? Gut, man sieht gelegentlich Teile ihres Körpers, ein Bein, eine Hand. Stefanie Oberhoff möchte sie sich an diesem Abend, dem sie den Titel » Das Konterfei – Wer bin ich, oder was ist meine Mission? « gegeben hat, von ihrer besten Seite zeigen. Auf der Akademie SchloßSolitude, ist ihr neues Solo herausgekommen; nun ist es im Figurentheater Fitz zu sehen. Wer ist Steffi Oberhoff? Auf leichte, humoristische, selbst ironische Weise nähert sich die Künstlerin dieser Frage. Also: Sie mag Federball, Waldspaziergänge, Bier. Und sie musiziert gern, aber macht das schon das Ich aus? Oberhoff weißes nicht, genauso wenig wie sie weiß, wann und wie man eigentlich ideal, perfekt und korrekt ist. Im Lauf dieses eigenwilligen und geistreichen Abends umkreist Oberhoff das Thema Identität, indem sie eine Doppelgängerin schafft. Diese taucht auf dem Bildschirm eines Laptops auf – es sind animierte Fotos von Oberhoff selbst. Diese Person auf dem Monitor verselbständigt sich, tritt in Konkurrenz zur echten Steffi, sagt » Ich bin auch Künstlerin, vielleicht sogar die bessere « . Das Spiel mit dem visuellen Double ist amüsant, zugleich erprobt Oberhoff aber die Möglichkeiten des Materialtheaters. Sie kombiniert reale Objekte und bewegte Bil der auf dem Bildschirm, sie arbeitet mit Verkleidungen, komponiert Körper aus ihren ei genen Gliedmaßen und anderem Material – und formuliert dabeiüberraschende Formen und Spiegelungen des Ichs. Sie beherrscht den technischen Fuhrpark souverän, aber es ist doch immer sehr persönliches Theater. Am Schluß weiß Oberhoff (angeblich) nicht, wie sie das Programm nun beenden soll. Also ruft sie eine Freundin an, hängt den Hörer ans Mikro und geht, während diese unbekannte Frau am Ende der Leitung den Abend beschließen soll. Ein gelungener Ein fall, der frech und gar nicht pädagogisch vorführt, daßdas Theater eben auch ein Ort ist, an dem perfekte Menschen perfekte Geschichten mit einer eindeutigen Mission er zählen sollen – und sich eigentlich nicht ein fach aus dem Staub machen dürfen, nur weil sie nicht weiterwissen.