Springe zur Navigation

Ein Ei wird zum Rotkäppchen und die Riesenmelone zur Gruft

7. Internationales Figurentheaterfestival in Magdeburg
erschienen am 12.06.2007 in Magdeburger Volksstimme

Kaufmann & Kaufmann erbrachten in ihrem furiosen Spiel „Romeo und Julia – Liebe und Tod in der Küche“ auf einem Küchentresen als ultimative Kochshow den Beweis, dass Liebe immer noch durch den Magen geht. Und was für eine Liebe William Shakespeares Stück in weniger als 60 Minuten als zauberhaftes, rasantes, überraschendes, staunend machendes und erfindungsreiches Objekttheater mit den ungewöhnlichsten „Mitspielern“, die man in einem Figurentheater erleben konnte.

Eva und Katharina Kaufmann sind Elvira und Angela und sie kochen in den verfeindeten Häusern der Montagues und Capulets in Verona. Und nachdem alle, einschließlich der beiden (unsterblichen) Liebenden, hingemeuchelt sind, sollen die Mamsells das Versöhnungsmahl zubereiten. Und das wird mit Tomaten, Zwiebeln, Peperoni, Toastbrot Pfeffer und Salz, vielen exotischen Gewürzen, Zwiebellauch und Gurken in allen Verarbeitungs- und Konservierungsformen in einem einzigartigen und wunderbaren Ratatouille, Die beiden Köchinnen schlüpfen ganz in die Tragödie. Das Kochbuch wird zum Rollenbuch für die Shakespeare-Tragödie, der Küchentisch zum Marktplatz von Verona und eine Riesenmelone zur Gruft, in der die Geliebten durch ein Missgeschick aus dem Leben scheiden.

Unglaubliche Einfälle für dieses Gemüse-Theater voller Fantasie und mit einem atemberaubenden Tempo gespielt. Aus einer roten Peperoni wird ein „scharfer“ Romeo, mit Salz und Pfeffer verbreiten die Liebenden ihr „Liebesfeuer“, zwei gekochte Eier sind Romeo und Julia in der Liebesnacht, pellen sich gegenseitig aus und vereinigen sich zärtlich miteinander im Liebesakt. Dazu immer wieder die Shakespeare-Test voller sinnlicher Poesie und mit Leidenschaft gesprochen. Beim Zwiebelschälen lernen die beiden Köchinnen das Weinen und räsonieren mit Friedrich Nietzsche und Sigmund Freud über die philosophischen Hintergründe der Liebestragödie.

Und dann wird ein Riesengurkenglas zum Ballsaal für die sich verkleideten Gäste. Romeo als „Gürkchen“ und Prinz Paris als kleines „Wiener Würstchen“ – alle durcheinander gerührt und fertig ist die traumatische Begegnung zwischen Romeo und Julia, Ein wundervoller Abend der Überraschungen mit viel Salz, Pfeffer, Fantasie und unbändiger Spiellust gewürzt. Ein richtiger „Appetitanreger“ für die anderen Gastspiele des Festials.