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Ein Fisch geht spazieren und liest Zeitung

Das Figurentheater Hibisskuss zeigt im Fitz „Herr Böhm und der Hering"
erschienen am 02.11.2009 in Stuttgarter Nachrichten
von BRIGITTE JÄHNIGEN

Warum laufen Menschen? Warum schwimmen Fische? Hannah (Miriam Paul) nervt ihren älteren Bruder Hannes (Hans-Jürgen Hinnecke) am Freitag im Fitz mit vielen Fragen. Aber der muss als Heringsverkäufer Geld verdienen und hat keine Zeit. Also schließt Hannah einen Pakt mit Herrn Böhm, einer Figur aus ihren Träumereien: Sie wollen einen Hering landgangtauglich machen. Schon bald übt der handtellergroße Plastikhering den aufrechten Gang und liest mit Herrn Böhm die Tageszeitung. Die drei unternehmen einen Ausflug ans Meer – doch da naht die Katastrophe.

In der für Kinder gut verständlichen Geschichte von Katharina Schlender vom Stuttgarter Figurentheater Hibisskuss dreht sich alles um die Grenzenlosigkeit der Fantasie. Ein teilbares Rhönrad dient als Marktstand, als Projektionsflache für Schattenbilder, als Aquarium und als wogendes Meer. Die Charaktere sind lebensnah gezeichnet: Hannah, das nimmermüde Zopfmädchen in Schürzenkleid und Gummistiefeln, ist der Prototyp des neugierigen Kindes, Hannes verkörpert den bodenständigen Erwachsenen, Herrn Böhm, die hüfthohe Stoffpuppe mit Brille und roten Filzhaarfusseln auf dem Glatzkopf, identifizieren die Zuschauer als wundersame Traumfigur. Mit einer optischen Illusion und vielen neuen Fragen endet die kluge Inszenierung, mit der Regisseurin Dragica Ivanovic Kinder und Erwachsene beschenkt.