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Ein Wölflein steht im Walde

Im Figurentheater-Zentrum Stuttgart hat das Festival „Newz" begonnen
erschienen am 23.04.2011 in STUTTGARTER NACHRICHTEN
von HORST LOHR

Wo in uns hält sich der Wolf mit seiner sprichwörtlichen Bösartigkeit versteckt? Die Stuttgarter Gruppe K. begibt sich auf Spurensuche. „Wölfe“ heißt die witzigsarkastische Versuchsanordnung mit Figuren und Objekten, die das Stuttgarter Figurentheater-Zentrum (Fitz) als Auftakt seines diesjährigen Nachwuchsfestivals Newz zeigt. Knapp eine Stunde dauert die von Michael Vogel inszenierte Entdeckungsreise durch das Wölfische in Märchen, Horrorgeschichten und aktuellem Alltag. Dabei beweisen Maik Evers, Katharina Muschiol und Stefan Wenzel als Spieler und Ausstatter ihr Gespür für sinnliche Bilder und den Umgang mit Materialien. Darstellerisch indes geraten die drei noch rasch an ihre Grenzen. Am zu langen und zähen Beginn der Aufführung etwa. Oder wenn sie manche Szene bedeutungsschwer mit gekünstelter Rätselhaftigkeit aufladen und die beabsichtigte Ironie dadurch ins Leere läuft.

Überwiegend jedoch gelingen den drei Spielern sehens- und hörenswerte Bilder: Im Punkrock-Gewitter aus Keyboard und E-Gitarre röhrt Katharina Muschiol „Ein Männlein steht im Walde“ ins Mikro – eine nach Ruhm lechzende Löwin der Möchtegern-Sänger probt für den Zickenkrieg bei „Deutschland sucht den Superstar“. Oder die drei Darsteller dozieren im betulichen Märchenton über das Phänomen der sogenannten Rudelbildung auf Fußballplätzen. Und fallen zum Beweis des Gesagten als reißende Wölfe des grünen Rasens übereinander her. Eine Szene gefällt wegen ihrer Schönheit besonders: Leuchtend rote Punkte und Streifen irr- lichtern durch das Bühnendunkel. Hinter ihnen lassen sich Wölfe als geheimnisvolle Wesen des Unbewussten ahnen.