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Eine Begegnung von Orient und Okzident

Beim Hölderlinplatz hat ein interkulturelles Café mit Comedy­ Zimmertheater eröffnet – die Blumen Insel.
erschienen am 21.10.2014 in Stuttgarter Zeitung
von Daniel Frommer

Deutsche und Türken: Über sein Leib­ und Magenthema hat Schau­spieler Dilaver Gök zahlreiche hu­morvolle Kurzgeschichten geschrieben. „Über alle aktuellen Themen des multikul­turellen Miteinanders“, sagt er, „im Moment natürlich mit dem Schwerpunkt In­tegration.“ Er selbst stammt aus Anatolien, spielte bereits als Jugendlicher in der Tür­kei kleinere Film­ und Thea­terrollen, spricht perfektes Deutsch und lebt seit 1992 in Stuttgart.

Eine rote Strickmütze ge­nügt ihm als Requisite, um im Nebenraum der „Blumen Insel“ in die Paraderolle eines findigen türkischen Kauf­manns zu schlüpfen, der das Reiseverhalten deutscher Is­tanbultouristen aus seiner ureigenen Sicht nicht nur ironisch kommentiert, sondern zugleich zwei Urlaubern mit blumigen Worten einen fliegenden Teppich verkau­fen möchte. Ob ihm das gelingt, kann man in der Comedy­Stunde „Der fliegende Tep­pich“, im Zimmertheater der Blumen Insel, erfahren – die Pointe der One­Man­ Show sei an dieser Stelle verschwiegen.

Den wohnzimmergroßen Theaterraum der Blumen Insel hat Angelika Müller ge­staltet: Nichts in der kleinen Spielstätte ist von der Stange. Auswahl, Gestaltung und Bemalung der teils multifunktionalen Mö­bel reflektieren das handwerkliche Ge­ schick der gebürtigen Duisburgerin, die selbst Regisseurin von Kinder­ und Figu­rentheaterstücken ist und ihre Puppen und Requisiten selbst anfertigt.

Angelika Müller und Dilaver Gök sind im besten Sinne des Wortes „seelenver­wandt“, wie sie sagen, und seit mehr als zehn Jahren ein Paar. Sie haben zwei (sechs­ und zehnjährige) Kinder und ge­stalten alle Kulturveranstaltungen in der Blumen Insel gemeinsam. Ihr Publikum kommt überwiegend aus dem Stuttgarter Westen, es sind Deutsche und Türken. Der an einen Tee­-Salon oder an ein kleines Café erinnernde Raum (unmittelbar neben Göks gleichnamigem Blumenein­zelhandel) fasst bei Vorstel­lungen bis zu 30 Zuschauer. Angelika Müller lebt mit dem Zimmertheater ihre Vision: „Menschen aus ganz verschiedenen Richtungen kommen hier zusammen und entdecken eine neue Gemeinschaft“, sagt sie. „Das würde ich gerne noch weiter aus­bauen.“

Im Gespräch erzählt Angelika Müller, wie sie ihren Mann in Stuttgart kennenge­lernt hat: „Ich habe bei ihm Blumen ge­kauft“, sagt sie und muss schmunzeln: „Im letzten Studienjahr“. Und: „Dilaver kommt mit Menschen ganz leicht in Kontakt. Uns war sofort klar, dass wir mit dem Theater­spiel eine ganz wesentliche Gemeinsam­keit haben, die uns tragfähig verbindet“. Reisen in die Heimat ihres Mannes, in ein völlig anderes Familienleben, berichtet sie, haben ihren Horizont erweitert. „Gerade mein Vater hat unsere Besuche besonders genossen“, ergänzt Gök. „Und den ersten Enkel.“ Mit der Blumen Insel haben Ange­lika Müller und Dilaver Gök nicht nur ein Café, mit Theater­ und Ausstellungsraum geschaffen, sondern auch eine interkultu­relle Keimzelle der gleichberechtigten Be­gegnung und des Humors, wie man sie in diesen Tagen vielen Orten auf dieser Welt wünschen möchte.

Adresse Blumen Insel, Johannesstraße 89, (Nähe Hölderlin­Platz).