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Federleicht im Nebel der Träume aufgelöst

erschienen am 02.11.2003 in Ludwigsburger Kreiszeitung

Stuttgart – Die Liebe und das Heldentum des Revolutionärs – geht das zusammen? Zwei Menschen, die wie die beiden Königskinder nicht zusammen kommen können, so lautet das Thema von „Nachtwandler“, das im Figurentheaterzentrum Fitz Premiere feierte.

Halb Sprechtheater, halb diese fast nicht zu beschreibende Sym bolik des neueren Figurentheaters, das sehr mit Körpern und Bewegungen, mit kleinen Metaphern arbeitet – so präsentiert sich diese Inszenierung von Francesca Bettini mit Annette Scheibler vom Stuttgarter Theater „Peppermind“ und Gyula Molnar auf der Bühne. Kleine, manchmal sehr surreal anmutende Szenen erzählen die Geschichte einer Frau, die die große Liebe gefunden hat. Sie will sie leben mit dem Mann ihrer Träume, der lie ber Revolution machen will.

In Scherben liegen die Träume beider, wörtlich auf der Bühne. Der Weg durchs Leben, der im tänzerisch-leichten Idyll beginnt, wird streckenweise zum Alptraum, zum Trauma. Und doch, sie kommen immer wieder zusammen, auch wenn sie sich fremd sind. In manchmal tief an rührenden, manchmal auch fremd und kalt wirkenden Szenen illustrieren beide Akteure ih re Geschichte, die die Besucher oftmals weit aus der Realität herausführt in eine Welt, die keine Logik mehr kennt.

Konkrete Szenen lösen sich federleicht im Nebel der Träume auf, ebenso plötzlich wird man wieder in die Realität zurückgeholt. Aber der große Rest ist fliegende Phantasie, die sich zuweilen etwas schwierig erschließt, die manchmal ein wenig zu vage wirkt, als dass sie zielsicher jeden Zuschauer erreicht. Der muss sich schon mühen, einen Zugang zum Geschehen zu finden, sonst läuft er Gefahr, dass das Stück an ihm vorbeirauscht – in all seiner Zartheit, seiner Unaufgeräumtheit, in seinem Flair von Unvollkommenheit.