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Gemeinsam singen ist wichtig. Interview.

Charlotte Wilde Die Künstlerin beschäftigt sich in ihrer neuen Produktion „Staub“ mit Stories aus Deutschland und Israel.
erschienen am 04.01.2019 in STN
von Nicole Golombek

Frau Wilde, „Staub“ heißt Ihre neue Produktion – was darf man sich darunter vorstellen?

Es geht um Erinnerungen: Die Art, wie Erinnerungen urplötzlich auftauchen, wie ein und dieselbe Erinnerung sich in ihrer Bedeutung im Lauf des Lebens wandeln kann, wie sehr unser Leben geprägt ist durch Erinnerung. Da wir uns im Theater ja im Jetzt befinden, geht es darum, wie und ob wir mit diesem Erinnerungs­Gepäck auf dem Rücken hier und jetzt wirklich begegnen können.

Erarbeiten Sie das Stück gemeinsam mit Ihren Kollegen oder jeder für sich?

Da zwei von uns aus Israel und zwei aus Deutschland stammen, gibt es einen großen gemeinsamen Anteil von Familien­Erinnerung, gegründet in der Zeit des Zweiten Weltkriegs und im Holocaust. Recherche, also Vorbereitung, macht jeder für sich vor, nach und zwischen den Proben. Insbesondere der Figurenbau durch Michael Vogel findet überwiegend allein statt. Aber dann geht es ja bei so einer internationalen Arbeit vor allem darum, dass etwas Gemeinsames entsteht. Die kulturellen Unterschiede, die verschiedenen Arbeits- und Ausdrucksweisen zusammenzubringen, das macht einen Großteil der Arbeit aus. Dafür war die Zusammenarbeit mit dem Regieteam Antonia Christl und Hendrik Mannes am Ende der Probenzeit essenziell.

Sie machen live auf der Bühne Musik – improvisieren Sie?

Es gibt in unseren Familien viele musikalische Erinnerungen, sie spielen also ebenso eine Rolle wie die erzählten Geschichten. Und auch die übrige Musik, auf der Geige gespielt von mir und Ari Teperberg, ist wie Erinnerung. Mendelssohn erklingt und Duette für zwei Violinen von Bartok. Dann gibt es einen Anteil Musik und Klang von mir selbst improvisiert und komponiert, der versucht, die Energien auf der Bühne aufzunehmen und weiterzutreiben. Und ganz wichtig ist der gemeinsame Gesang: Eine Möglichkeit, sich wirklich zu begegnen, eins zu werden, fanden wir im gemeinsamen Singen. Und so gibt es Lieder und Songs aus Israel, Deutschland, England und den USA, Inseln des Zusammenklangs zwischen den individuellen Linien.