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Göttliche Wesen schlagen sich mit Neidern herum

Ein unterhaltsamer Ausflug zu Odin und Thor im Figurentheater-Zentrum Fitz
erschienen am 23.06.2006 in Ludwigsburger Kreiszeitung
von Armin Bauer

Stuttgart – Die Edda, eines der ältesten Werke der Weltliteratur, liefert das Hauptwissen um die Mythologie der alten Germanen. Die Asen, göttliche Wesen, die sich mit sich selbst und den Nei­dern herumschlagen müssen, haben hier ihre literarische Heimat gefunden. Stephanie Rinke vom Stuttgarter Figurentheater Para­dox und Susanne Olbrich von Theater-Fusion Berlin haben sich zusammengetan, um aus diesem Stoff theatralisches Met zu trinken und ihren „Odin“ im Figurentheaterzentrum Fitz zu präsentieren.

Um die Spielfläche, so etwa zwei auf zwei Meter groß, bewegen sich die beiden, erzählen, spielen und bewegen ihre Puppen. Drumherum in etwas Abstand an drei Seiten Tische, auf denen nicht nur Requisiten griffbereit liegen, Puppen abgelegt werden, sondern um die vor allem Tobias Dutschke sich bewegt, der aus diesem sichtbaren Hin­tergrund die Geräusche beisteuert.

Das ist ein wichtiges Element in diesem Spiel, bei dem sehr schnell klar wird, dass es weniger um die getreue Wiedergabe der Sage geht: Vielmehr haben die beiden Künstlerinnen in dieser Fabelwelt eine willkommene Vorlage für ein ungemein phantasiereiches und kreatives Spiel gefunden.

Manchmal lustig, dann wieder fast dokumentarisch spielen sie den Untergang der Asen um Odin nach, immer mehr dem Spielerisch-Unterhaltsamen verpflichtet als der Erzählung selbst, die sich auf ihre Art aber doch spannend und schlüssig entwickelt.

Die Puppen der beiden, mit wallenden Gewändern und kleinen Köpfen, dafür aber mit den großen Händen der Spielerinnen ausgestattet, sind ungemein plastische Gebilde, die aber längst nicht das Treiben alleine befördern. Rinke und Olbrich bringen sich immer wieder in unterschiedlichen Funktionen selbst ein, sind Erzähler, Mitspieler, Teile der Puppen.

Das verleiht dem Geschehen ungemeine Vitalität, macht es spannend und zeigt, wie künstlerisch befruchtend derartige, in der Figurentheaterszene gerne geübte Zusammenarbeit sein kann.