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Großer Kosmos in einer kleinen Welt

Beeindruckende Bilder und bedenkenswerte Texte im Stuttgarter Figurentheater Fitz
erschienen am 08.11.2014 in Ludwigsburger Kreiszeitung
von Arnim Bauer

„Und plötzlich stand die Sonne still“ ist der Titel des Stückes des Figurentheaters Meinhardt Krauss Feigl, das im Fitz seine Premiere feierte. Es ist das erste Stück von vieren, die sich um die „großen Kränkungen der Menschheit“ nach Siegmund Freud drehen.

In beeindruckenden Bildern und sehr bedenkenswerten Texten befasst sich die Performance mit der Kleinheit des Menschen in Lauf des Universums. Der Mensch wird bewegt, scheint jeden Einfluss auf die Bewegung verloren zu haben. Womit wir bei Freud sind, beim Versuch, die Welt zu erklären, sich Gewissheiten zu verschaffen, die zu ergründen der Mensch nicht unbedingt geschaffen ist, was ihm wiederum Angst macht.

Vom Urknall – ja, wohin? In Nichts? Die Figur (Iris Meinhardt) bewegt sich auf der Bühne zusammen mit zwei Bällen, mal Erde, mal runde Spielfigur, mal Rätsel, meist im Halbdunkel. Und das alles wäre schon das Nichts in der Aufführung, wäre da nicht die Videotechnik von Oliver Feigl. Der hat ein gänzlich neues Verfahren entwickelt, das sich pmd-art 3d Technologie nennt. Das sind drei-dimensionale Echtzeitprojektionen auf sich im Raum bewegende Akteure oder Objekte, die interaktiv zur Bewegung Licht-und Akustikeffekte erzeugen.

Die Akteurin kann durch Körperbewegung oder Gesten Licht- oder Toneffekte auslösen. Der wesentliche Unterschied zu herkömmlichen, meist wenig gelungenen Videoperformances dabei ist, dass Meinhardt nicht vor einem vorproduzierten Video spielt, sondern direkt die Effekte gestalten kann.

Das gibt diesem Stück die Spannung, die Eindrücklichkeit. Mag man über die Texte noch geteilter Meinung sein, die zwischen bedeutungsschwerer Kleinphilosophie und Aphorismen mäandern, das optische Erlebnis ist famos. Sternenstraßen, sphärische Welten, leuchtende Erdkugeln, glimmende Höllenfeuer und wieder endlose Milchstraßen: Der Kosmos, die im Kleinen gefangene Essenz des Unendlichen, lebt, ist greifbar, zeigt sich in seiner Weite, während die Texte die Beengtheit des Menschen und seiner Vorstellungskraft manifestieren. Und diese Technik erweitert die Darstellungsmöglichkeiten dieses gekränkten Wesens um ein kleines Stück im unendlichen All der Möglichkeiten.