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Grotesker Witz und zirzensischer Charme

erschienen am 01.01.2011 in double, Magazin für Puppen-, Figuren- und Objekttheater
von Mascha Eberlding

VON MASCHA ERBELDING Die grotesken Stücke des russischen Dichters Daniii Charms – dessen Werke nun endlich in einer neuen deutschen Gesamtausgabe herauskommen – werden nur selten gespielt, ob im Schauspiel oder im Figurentheater. Dabei wurde »Zirkus Sardam«, 1935 uraufgeführt (und sofort von der Zensur verboten), speziell für Puppentheater geschrieben. Florian Feisei, Anna Fregin und Christoph Hamann haben das Stück nun in der Regie von Hendrik Mannes und Antonia Christi auf die Bühne gebracht. Der Inszenierung »Projekt Z!« gelingt es dabei, den Text mit völlig neuen Bildern zu kontrastieren, eine eigene Zirkuswelt zu erschaffen und trotzdem genau den Geist, den grotesken Witz von Charms‘ Stück zu vermitteln. Dabei nutzt die Regie gekonnt die unterschiedlichen Fähigkeiten ihrer Darsteller. Der zurückhaltende Bühnenmusiker Christoph Hamann verleiht der Rolle des Zirkusdirektors einen herben Charme. Florian Feisei spielt den Bürger Vertunov, der zwar nichts kann, aber unbedingt im Zirkus auftreten möchte, als sympathischen Clown, Identifikationsfigur für den Zuschauer, den Feisel so in das groteske Geschehen mitnimmt. Und Anna Fregin im rosa Ballerinakostüm wechselt zwischen derber Weiblichkeit und einer kindlichen Zartheit, etwa wenn sie die einzige Puppe auf der Bühne, stille Beobachterin mit rührend strengem Blick, zum Seil- bzw. Lufttanz führt. Ein großes Vergnügen an diesem Abend bereiten auch die »Zirkus«-Nummern, in denen Fregin und Feisei mit Metallhalbkugeln jonglieren, balancieren, in ihnen verschwinden oder über die Bühne kriechen. Noch größer aber ist das Vergnügen, und auch das ist das Verdienst der klugen Regie, an Charms‘ Texten, die an diesem Abend trotz der starken Bilder die Hauptsache bleiben.