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HASE IM VOLLMONDRAUSCH

"Hase Hase Mond Hase Nacht" - Kindertheater an der Schaubude Berlin
erschienen am 01.01.1970 in Neues Deutschland
von Nino Kedschagmadse

Am Anfang ist es etwas dunkel, die Geräuschkulisse nicht ganz vertraut. Grund genug für die jüngsten Besucher der Schaubude, sich feste an Mama oder Papa zu klammern oder gar gleich wieder nach Hause gehen zu wollen. Da klettert aber auch schon eine weiß behandschuhte Hand winkend aus dem großen runden Loch der Stoffwand. Der Hand folgt ein Mann mit zwei großen Hasenzähnen. An seinen Fingern zählt er ab, in welchen tollen Sachen überall etwas vom Mond steckt: in der Vollmondschokolade, im Mondkuchen oder Mondgesicht… Aber auch im Halbmond, dem Viertelmond und gar dem Achtelmond. Wenn der Mann sich dann hinter den Lichtprojektor setzt, die runde gelbe Kugel auf der Stofffläche erscheinen lässt und seine Mitspielerin beginnt, den Mond zu fangen, ist selbst bei den anfangs ängstlichsten Kindern jede Zurückhaltung überwunden. Es wird gelacht, es werden Fragen gestellt und laut die Geschehnisse kommentiert.

„Hase Hase Mond Hase Nacht“, die neuste Koproduktion vom Theater o. N. und dem Puppentheater Berlin – Die Schaubude für Kinder ab zwei Jahren glänzt mit sehr poetischen Bildern. Und mit ungewöhnlichen, aber äußerst angenehmen Klängen und Geräuschen. Melanie Florschütz und Michael Döhnert schaffen sich diese Hintergrundmusik für das eigene Spiel etwa auf einem schmalen langen Rohr oder auf einem Seil, dessen eines Ende in einem Eimer feststeckt. Unter der Regie von Andrea Kilian wollen sie den Kleinen mehr bieten, als eine einfache, leicht verdauliche Geschichte.

Die Rechnung geht auf. Auch die jüngsten Zuschauer langweilen sich keine Minute. Und damit sich gar die Erwachsenen mit eingebunden fühlen, mimt Florschütz beispielsweise mit einem winzigen weißen Fähnchen in der Hand die Mondlandung. Auch Mondserenade oder Mondremoulade sind wohl eher Begriffe, mit denen weniger die Zwei- oder Dreijährigen etwas anfangen sollen.

Die erfreuen sich viel mehr an den Versuchen, den auch mal kleinen Lichtball zu fangen und mit ihm zu tanzen. Oder klatschen, wenn die Mondkugel mal wieder ihre Form vom Runden zum Viereck wechselt. 30 Minuten sind schnell vorbei, das Rätsel, warum das Stück so einen langen, ungewöhnlichen Namen hat, wird gelöst. Die Mathematik spiele da eine wesentliche Rolle. Hasen werden addiert, sogar die Wurzelrechnung kommt ins Spiel. Erwachsene lachen, Kinder schauen zu. Und zum Abschied gibt Florschütz den Kleinen noch einen Geheimtipp mit auf den Weg, wie ihnen jede Vollmondnacht hilft, schneller zu wachsen.