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Höhenflüge der Fantasie

Das letzte Wochenende des Figurentheaterfestivals in Fürth
erschienen am 25.05.2009 in Fürther Nachrichten

Beim Figurentheaterfestival am Samstagabend im Kulturfortum prallten mit „»FAUST spielen“ von Figurentheater Wilde & Vogel und Christoph Bochdansky und „LIFE.stories“ vom Marc Schnittger Figurentheater zwei Welten aufeinander Am Ende bleibt
bei Faust nur eine zerplatzte Tüte Staub. Doch bis es soweit ist, haben Christoph Bochdansky, Michael Vogel und Charlotte Wilde das Publikum mit grandiosem Bildertheater auf eine atemberaubende Reise geschickt. Mit ihrem Spiel entfalteten die drei Künstler einen surrealistischen Bilderbogen, der noch die tiefsten Tiefen der menschlichen Seele auslotet. Schnell wirft man die Vorlage gedanklich über Bord und überlässt sich ganz dem Sog der Bilder. Dabei setzen die Figuren und Schauspieler nicht nur Marionetten und Verkleidungen ein, mit live gespielten Klang-Installationen, Gesang, Feuer, Weihrauch und allerhand seltsamen Requisiten entfachen Bochdansky, Vogel und Wilde ein Spiel, das alle Sinne betört. Die Walpurgisnacht wird mit dem Gehörnten und Bocksfüßigen, obszönen Gesten und wildem Gekreische zu einem irren Hexentanz voller Fantasie, Fast meint man sich an die Malerei von Hieronymus Bosch mit ihrer apokalyptischen Bilderwelt erinnert, an den „Garten der Lüste“ voller insekten- und vogelartiger Mischwesen.
Auf der Schwelle zwischen Leben und Tod ereilen Faust Erinnerungen an Forschendrang und Teufelspakt. Die virtuosen Spieler zerlegen die große Tragödie, um sie voller Ironie wieder zusammenzusetzen. Das beste daran: Bochdansky und Vogel lassen dabei großes Kopfkino voller magischer Momente entstehen. Doch eines täuscht. Mephisto hat sie nicht verlassen – dies hier ist die Hölle. Höllisch gutes Figurentheater.