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Im kleinsten Haus der Welt

erschienen am 11.05.2013 in Fränkische Nachrichten

Weder mussten die jungen Zuschauer eine weite Reise zum Prince Edward Theatre in London noch gar ins New Amsterdam Theatre am Broadway in New York auf sich nehmen, sondern sie konnten ganz bequem zum Musical Mary Poppins in den Engelsaal „reisen“.

Eine grosse Truppe unterschiedlicher Gestalten tanzte, sang und spielte da auf der kleinen Bühne, und Suzan Smadi verstand es auf wunderbare Weise, die Geschichte um das geheimnisvolle Kindermädchen lebendig werden zu lassen. Hergeweht wurde sie vom Ostwind (genaugenommen allerdings eher von Süden, von der HÖR-und SCHAUbühne aus Stuttgart) und sie zauberte aus ihrer Handtasche ein ganzes Bühnenbild mitsamt seinen Akteuren auf die Bretter.

Da kam zunächst das ein bisschen verwilderte Haus im Kirschbaumweg 17 samt seiner Familie Banks zum Vorschein: Vater, Mutter, die Zwillinge John und Barbara, sowie die beiden Größeren Michael und Jane. Die brauchten dringend ein neues Kindermädchen und so kam ihnen Mary Poppins gerade recht. Die holte erstmal aus ihrer „komischen““ Tasche, in der nach Michaels Meinung „nix drin“ war, einen halben Hausstand heraus, um dann die Kinder unter ihre Fittiche zu nehmen. Und jeder Tag mit Mary Poppins war bunt und verrückt und nichts war mehr normal.

Da stand auch mal alles Kopf im kleinsten Haus der Welt, wo Mr. Arthur Kuddelmuddel residierte, war es doch (schau an, schau an!) gerade der letzte Dienstag im Monat, wo bei Vetter Arthur immer alles schief ging. Aber um Punkt 16 Uhr konnte er doch die wertvolle Teetasse wieder heil machen, die Jane ganz aus Versehen (?) runtergefallen war. Und dann gab es noch einen schlimmen Dienstag – diesmal für Michael, den „etwas zwang, unartig zu sein“.

So hatten etwa die beiden Hunde Andy und Willibald allerhand durch ihn auszuhalten und auch sonst ging manches zu Bruch.

Schließlich fand Michael einen Kompass, mit dem er um die Welt reisen konnte – und alle kleinen und großen Zuschauer sollten dabei sein. Mit ihrem „Fernrohr“ ( dem zusammengerollten Liedblatt, das alle bekommen hatten) hieß es dann die jeweiligen Himmelsrichtungen anvisieren, um dann rund um die Welt zum Nordwind, nach Afrika, zu Mr.Ling Pi in China und schließlich zu Häuptling „Großer Donner“ in Amerika zu reisen.

Und alle wollten, dass die Gäste dableiben (aber was hätten wohl die vielen Väter und Mütter gesagt, wenn sie ihre Kinder von einem anderen Erdteil hätten abholen müssen?) So ging es also zurück, bis eines Nachts der Vollmond schien und Mary Poppins berühmter Schirm befahl: „Los, aufstehen, anziehen, Haare bürsten, ich wünsche keine Vogelscheuchen!“ Und dann gings – hast du nicht geseh’n – zu Mrs.Corry, die zwar in ihrem Pfefferkuchenhäuschen die besten Pfefferkuchen der Welt backt, ihre arme Tochter Fannie aber äußerst schlecht behandelt. Dazwischen gab es so manchen Song, beispielsweise von der Vogelfrau mit ihrem „Vöglein, flieg hoch hinauf“ oder Mary Poppins meinte, indem sie durch den Saal tanzte: „Mit ’ner kleinen Freude versüßt du dir den Tag“

Aber da wehte auf einmal der Westwind und trug Mary Poppins wieder fort. Fort von Michael, Jane und all den anderen Akteuren, aber auch weit weg von den Zuschauern, die dem Geschehen bisher gebannt gefolgt waren. Und ob die Kinder, bei aller Sympathie für Mary Poppins, sie gern selber als Kindermädchen hätten, da waren sie sich am Ende gar nicht einig.