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Im Rausch der Theaterillusionen

von den Kinderkultur-Tagen im T-Werk
erschienen am 05.10.2004 in Märkische Allgemeine Zeitung

Spätestens nach 30 Minuten ende die Konzentration von Theaterbesuchern im Vorschulalter, sagt Melanie Florschütz vom „Theater o.N.“ aus Erfahrung. Seit sieben Jahren macht sie mit ihrem Kompagnon Michael Döhnert Theater für kleine und größere Kinder. Ihr aktuelles Stück „Hase Hase Mond Hase Nacht“, eine Koproduktion mit der „Schaubude-Puppentheater Berlin“, richtet sich an Menschen von zwei bis fünf Jahren. Für viele der Vorschulkinder war der gestrige Besuch an der Schiffbauergasse die erste Erfahrung mit der Welt des Theaters. Nach dem Stück redeten viele der Kinder mit dem Künstlerpaar, andere verwandelten das Theater in einen Spielplatz. Meike und Felix, gerade dem Krabbelalter entronnen, verließen das Theater nur unter Protest, waren sie doch gerade dabei, aus Sitzkissen interessante Schaumstoffberge zu formen. Wie immer siegte die elterliche Vernunft. Lautes Murren beim Abgang. Die als Narr kostümierte Florschütz guckte den beiden lächelnd hinterher. Experiment geglückt. Der erste Theaterbesuch war für die beiden Novizen augenscheinlich ein spannendes Abenteuer und keine abschreckende kalte Dusche. Die hierzulande als „Mann im Mond“ bekannte Figur wird in Ländern wie Italien oder Spanien als ein Hase interpretiert. Die Südeuropäer sehen im Vollmond zwei große Hasenlöffel. Um jenen Hasen geht es bei „Hase Hase Mond Hase Nacht“. Der Hase, eine aus Messing geschnittene Figur, wandert auf der Mondsichel wie auf einem Schiff durch den Theaterraum. Michael Döhnert ist „der Mann am Mond“, dass heißt, er bedient einen Scheinwerfer und begleitet die Reisen des Erdtrabanten mit seiner Stimme, die er mittels eines Samplers zu einem Chor verfielfacht. Melanie Florschütz ist die mondsüchtige Mondfängerin, die den Mond jagt oder ihn wegpustet. Manchmal wird der Mond zum listigen Spielball, dann wird er klitzeklein und einmal sogar wird der Mond quadratisch. Am Ende landet die Mondfängerin wie Neil Armstrong auf dem Erdtrabanten und stellt eine Fahne auf. „Hase Hase Mond Hase Nacht“ entführt die kleinen Zuschauer wie ein Bilderbuchmärchen für eine halbe Stunde ins Reich des Mondes. Ganz nach europäischer Vereinigungssitte sehen endlich auch kleine Brandenburger statt eines Mannes im Mond einen Hasen und nähern sich nun auch auf Traumebene ihren südeuropäischen Nachbarn an.