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Mörderische Tänze in der Disco

Die Gruppe K aus Leipzig zertrümmert Shakespeares 'Macbeth' im Figurentheater Fitz
erschienen am 06.02.2015 in Stuttgarter Nachrichten
von Brigitte Jähnigen

William Shakespeare ist eine Reihe mit Inszenierungen am Figurentheater Stuttgart gewidmet. Nach Wiederaufnahmen wie ‚Lear‘ des Figurentheaters Wilde & Vogel, ‚Romeo und Julia in sizilianischer Soße‘ der Gruppe Biting Breads aus Leipzig und ‚Lear‘ vom Ensemble Materialtheater Stuttgart präsentierte die Gruppe K aus Leipzig am Mittwoch ihre Version von ­’Heroes Shakespearoes‘. Es inszenierte Nis Søgaard. Ihre ideenreiche, aber auch zertrümmerte Geschichte mit dem Titel ‚Macbeth – I Can Dance My Name‘ hinterließ ein leicht irritiertes, höflich applaudierendes Publikum. Es wurde kaum gelacht, es wurde zu selten gestaunt.

Am Bühnenrand ein Häuflein Stoffpüppchen. Auf dem Berg der embryonenhaften Figürchen ruht ein Lichtspot – eine dekorative Notiz nur für den Auftritt der Protagonisten im Halbdunkel. Macbeth (Stefan Wenzel) lacht frech, trägt ein weißes, lächerliches Tutu. Seine ihm angetraute Lady (Katharina Muschiol) übt sich im Dominablick, verstärkt die Version ihrer Rolle durch eine schwarze Lederhose. Die übrigen Figuren (außer Banquo, den vertritt ein formloser Stoffdickhäuter) teilt sich das Ensemble, zu dem auch der Schauspieler Maik Evers gehört.

‚Fair is foul and foul is fair‘ – kaum ist der berühmte Satz der Hexen gesprochen, ­beginnt die Tragödie. Gruppe K aus Leipzig erzählt sie als burleskes Spektakel. Wer ‚Macbeth‘ bisher als William Shakespeares besonders gut komponiertes Stück mit einheitlich düsterer Grundstimmung verstand, sollte sich von dieser Vorstellung für die Dauer dieses Abends konsequent verabschieden. Gruppe K löst Handlung und Figuren auf, zertrümmert sie zuweilen gar, versetzt die Szenerie auf den Dancefloor einer Disco, amüsiert durch kuriose Einfälle, ­­erzählt aber zu oft in szenischen Warteschleifen.

Ihr Stück hat Überlängen. Klar ist: Hier muss gemordet werden, hier müssen die Fetzen fliegen, hier müssen starke Gesten her. Endlich laufen auch die Stoffwichte vom Bühnenrand zu großer Form auf, werden als Reservearmee durch die Luft geworfen, wenn Schwerter, Tricks und Kriegslist nicht mehr helfen. Roter Sand rieselt symbolhaft. Pferdegetrappel kommt vom Synthesizer, Kastagnettengeklapper und der Einsatz von Palmas (Händeklatschen) aus dem Vokabular des Flamenco versetzen die Handlung kurzfristig von England und Schottland nach Andalusien. ‚Was ist passiert?‘ – das Stichwort zur Skandalberichterstattung kommentiert die Morde, mit Staubsaugergeheul wird nach den Kriegsszenen die Bühne aufgeräumt.

Poetische Szenen wie die Geburt eines königlichen Winzlings sind wunderschön, können aber den Klamauk vieler Szenen nicht wettmachen.