Springe zur Navigation

Monsterschwein und Hundekopf

erschienen am 14.03.2006 in Stuttgarter Nachrichten
von ARMIN FRIEDL

Ganz fürchterliche Wesen sollen die Grün¬linge sein, und wenn man nicht auf passt, verspeisen sie einen im Nu. Doch dann das: Ein f eingliedriges, schüchternes, verspieltes und zugleich neugieriges Wesen mit großen, melancholischen Augen tritt auf, ganz in Grün. Und das soll schrecklich sein?

Nicht nur Lorina, die Hauptfigur in dem Stück „Schloss Draußen-Drin oder wie man König wird“, lernt einiges dazu, auch die jugendlichen Zuschauer ab acht Jahren. Und um all die Monstrositäten deutlich zeigen zu können, hat sich das Junge Ensemble Stuttgart (Jes) für diese Uraufführungsproduktion mit dem Figurentheater Fitz und dem Figurentheater Anne-Kathrin Klatt zusammengetan. Das ist somit die erste Repertoire-Koproduktion von zwei Kultureinrichtungen im Tagblatt-Turm-Areal seit dessen Wiedereröffnung als Kulturzentrum.

Die Grünlinge sind die Draußer und gelten als schlecht, die drinnen im Schloss, die Drinner, als gut, erklärt einleitend ein Kaninchen. Doch Corinna Bath’ja Maisano als Lorina kümmert sich nicht um solche Vorurteile und macht sich selbst auf den Weg. Wie es wohl bei den Drinnern zugeht? – Ein wahres Pandämonium von Hunden, Schweinen und anderem Getier tut sich auf. Klatt und die Figurenspieler Martin Bachmann, Franz Frickel und Uwe-Peter Spinner bewegen allerlei Figuren oder schlüpfen in selbige hi¬nein und geben diesen verschiedene Stimmen. Mal genügt ein Hundekopf und eine tiefe, raue Stimme, mal ist es ein mehr als zwei Meter großes Monsterschwein auf zwei Beinen als Ganzkörperkostüm, das einen völlig verfetteten Koch darstellt. Sehr fantasievoll kombinieren die Figuren von Mechtild Nienaber künstliche Glieder mit denen der Figurenspieler. Ein weibliches Sparschwein schlenkert verführerisch sein Bein, ein Diener redet wienerisch.

Die Inszenierung von Karin Eppler bietet einiges zum Lachen für Erwachsene, für die eigentliche Zielgruppe gibt es Herzliches wie den Hasen, aber auch Schockmomente wie den Henkersauftritt. Spannung ist garantiert, auch wenn am Ende die Geschichte etwas zerfasert. Die Botschaft „Tue Gutes und teile redlich“ hätte sich auch ohne die finalen Verwicklungen erschlossen.