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Nur nicht als Wurst enden

Premiere Das Figurentheater Vagabu aus Basel spielt im Fitz den ' Kreuzzug der Schweine'.
erschienen am 06.04.2013 in Stuttgarter Zeitung
von Stefan Sommer

Das Hausschwein ist eines der am frühesten domestizierten Haustiere der menschlichen Zivilisationsgeschichte, wird seit vermutlich 9000 Jahren zur Fleischerzeugung gehalten. Damit wollen sich zwei schwule Schweine allerdings nicht abfinden. Sie sind die Haupt­figuren in dem neuen Stück im Zentrum für Figurentheater (Fitz): ‚ Kreuzzug der Schweine‘ nennt sich eine Art Roadmovie des Pierre Cleitman Baseler Figurentheaters Vagabu, das ein wenig an George Orwells ‚Animal Farm‘ erinnert.

Schauplatz ist Pork-City, eine hypertechnisierte Schweinefarm, die optisch auf die Ästhetik von Friedensreich Hundertwasser anspielt. Irgendwo in der norddeutschen Einöde steht diese Fünf-Sterne-Luxus-Mastanlage und biete paradiesische Lebensbedingungen für das Vieh – wie der Erzähler (ebenfalls von Pierre Cleitman gespielt) vollmundig behauptet. Erzählt wird eine schrille Liebesgeschichte zweier kastrierter, gleichgeschlechtlicher Schweine, die wittern, dass die trügerische Kulisse von Pork-City nichts anderes als eine Fleischverarbeitungsmaschinerie ist. Aus Angst, selbst als Dosenwurst zu enden, treten sie die Flucht in den Nahen Osten an.

Auf der Bühne wird die Schweinewelt durch einen Flügelaltar dargestellt, der eine religiöse Atmosphäre evoziert. Die Regisseurin Isabelle Starkier hat den Abend inszeniert, bei dem Christian Schuppli mit kleinen Fingerpuppen und Handpuppen spielt. Trotz aller Komik und der bestechenden schauspielerischen Leistung von Cleitman werden die Motive oft nur angedeutet und bleiben skizzenhaft. Aktuelle politische Themen werden angerissen – wie die Debatte um die Homo-Ehe. Glückt den Schweinen aber die Flucht? Auf der Premierenfeier im Fitz gab es jedenfalls kein Fleisch zu essen. Es wurde eine rein vegetarische Suppe angeboten. sso