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Nur zwei Sandkörnchen

Das Theater Maren Kaun spielt im Fitz „Guten Abend, gut’ Nacht“
erschienen am 30.01.2017 in StZ/StN
von Brigitte Jähnigen

Glückliche Tage der Kindheit? Nicht in den bösen Geschichten, die die Gebrüder Grimm gesammelt haben. Sie erzählen von hellsichtigen Kindern, deren Leben sich ihrer schrecklichen Weissagungen wegen schnell verzehrt; von hasserfüllten Frauen, die ihr ungeliebtes Stiefkind in Stücke schneien und sauer kochen; von strafenden Müttern, die in Gottgefälligkeit handeln; von schmutzigen Kindern, die 30 Jahre auf Erlösung warten, weil sie sich nicht waschen wollen.

In einem Erzählrausch, den nur ein Gong unterbricht, setzt sich das Theater Maren Kaun aus Mannheim mit dem Thema Kindheit auseinander. Handgroße Puppenköpfe mit wehenden textilen Körpern sind die Gehilfen, Bruder und Schwester mit kahlen Köpfchen und Wechselbalg mit haarigen Ohren. Die Bühne wird zum Labor des Grauens. Und über allem wispert der Sandmann und streut „zwei Körnchen nur“ über Knöchelchen und Beinchen in der Babywiege. „Guten Abend, gut’ Nacht“ ist der Stoff, aus dem Albträume sind. Der zeitliche Griff von der Historie zur Gegenwart ist schnell getan. Eine Dame in Weiß diagnostiziert in einer „Lernstandsfeststellung“: Das Puppenkind hat einen Problembereich, die Mathematik. Es ist ein Sorgenkind. Wie viele andere auch.

Es steckt Klugheit, Witz und Hintergründigkeit in der von Frank Soehnle geführten Inszenierung. Maren Kaun und Maike Wehmaier spielen zur unaufdringlichen Musikcollage von Johannes Frisch mit Tempo, singen bekannte Schlaflieder, mal zart, mal pointiert schrill. Doch allzu atemraubend kommen die skurrilen Bilder über die Bühne. Und die Sehnsucht nach der Rückkehr zum Kindsein am Ende des Menschenlebens wird zur Farce.