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‚Omma, mach hinne‘

'Frau Holle' für Kinder - frisch und frech im Figurentheater Fitz
erschienen am 23.03.2015 in Stuttgarter Nachrichten
von Brigitte Jähnigen

Die Bühne als Kinderzimmer, in der es mit wenigen Requisiten direkt in den Himmel zu Frau Holle geht: Lisa Remmert macht aus einem Pappbecher mit Faden eine Spindel, aus einer Yogamatte einen Brunnen, aus Kochutensilien ein Haus, und mit Hilfe von Wäscheklammern werden aus textilen Planen immer neue Landschaften. Jedes Ding gewinnt seine Bedeutung in dem Moment, in dem es die Figurenspielerin benutzt. Gemeinsam mit ihrer kleinen Puppe wechselt Lisa Remmert blitzschnell, aber nie atemlos auch Rollen und Kostüme. Und Frau Holle mit Riesenbrille, Riesenschürze und Schleierhaube ist in ihrer angedeuteten Frivolität einfach unwiderstehlich. Goldmarie, zu Hause nicht gerade geliebt, darf sich am Riesenbusen der alten Dame wärmen, darf zu Gitarrenklang und Spieluhrklängen eine Schneelandschaft bauen und mit einem goldfarbenen Riesenbonbon auf den Schultern nach Hause kommen. Die schwarze Alternative der Pechmarie-Episode wird nur kurz verhandelt. Lisa Remmert springt nicht nur zwischen Rollen, sie wechselt auch die Erzählebenen, so wie es Kinder gern tun. Sie summt beim Spiel kurze Melodiefetzen, sie nutzt Alltagssprache (‚Omma, mach hinne‘), sie tauscht die mitunter pathetische Sprache der Gebrüder Grimm gegen einen Rap. Das Märchen (Regie führt Johanna Pätzold) wird frisch, frech und in unauffälliger, sozusagen geheimer pädagogischer Mission präsentiert. ‚Toll!‘, kommentierte das Premieren­publikum.